Der Kern des Berufs bleibt der gleiche

Wie Studierende die Zukunft beurteilen. Veränderte Rahmenbedingungen, Bürokratielast und Wettbewerbsdruck – vieles, was angehende Zahnmedizinerinnen und -mediziner hören, klingt nicht allzu rosig. Warum haben sie sich (trotzdem) für den Beruf Zahnarzt entschieden? Und wie sehen sie die berufliche Zukunft? Der DFZ hat drei Mitglieder des Studierendenparlaments befragt.

 

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ELISA BAUMANN, 10. SEMESTER, JOHANNES GUTENBERG- UNIVERSITÄT MAINZ

1. Warum möchtest Du trotz veränderter Arbeitsbedingungen Zahnärztin werden?

Ich studiere über die Bundeswehr, das heißt, ich werde nach dem Studium in zahnärztlichen Einrichtungen der Bundeswehr arbeiten und nicht direkt von den veränderten Arbeitsbedingungen in der freien Wirtschaft betroffen sein. Einige Gegebenheiten, die zu Veränderungen führen, sind aber auch auf die Bundeswehr projizierbar. Aus diesem Grund, und da ich spätestens nach meiner Zeit bei der Bundeswehr damit konfrontiert bin, möchte ich mich damit auseinandersetzen.
Denn egal, ob ich mich für ein Angestelltenverhältnis, die Selbstständigkeit oder eine andere Form der Berufsausübung entscheide: Der Kern des Berufs als Zahnarzt oder Zahnärztin bleibt der gleiche.
Die Zahngesundheit des Patienten steht im Mittelpunkt. Sich auf Patienten einzulassen, Vertrauen zu gewinnen, die richtige Diagnose zu stellen und dann die beste Therapie zu finden, ist jedes Mal aufs Neue eine kleine  Herausforderung und macht für mich den Beruf so spannend. Auch den vielen anderen handwerklichen, zwischenmenschlichen und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen möchte ich mich stellen. Ich sehe es als Chance, in einem so abwechslungsreichen Beruf zu arbeiten. An den Tätigkeiten als behandelnder Zahnarzt wird nicht gerüttelt, weshalb ich meine Berufswahl, trotz der sich verändernden Rahmenbedingungen, nicht in Frage stellen würde.

2. Wie bist Du zum FVDZ gekommen?

Letztes Jahr bekam ich das Angebot, an der Hauptversammlung in Berlin teilzunehmen. Das Angebot habe ich angenommen, bin nach Berlin gereist und war unter anderem an der Gründung des Studierendenparlaments beteiligt.

3. Für welche Themen machst Du Dich stark?

Ich kann jedem nur raten, in die Berufspolitik hinein zu schnuppern oder vielleicht sogar tätig zu werden. Darüber bin ich erst auf bestehende Problematiken aufmerksam gemacht geworden, die mich zu diesem Zeitpunkt teilweise noch nicht betroffen haben, in der Zukunft jedoch betreffen werden und mit denen man sich schon früh auseinandersetzen sollte.
Die Möglichkeit zu haben, selbst auch etwas bewirken zu können, ist motivierend, genauso wie mit anderen Mitgliedern im Austausch zu sein und an einem Strang zu ziehen. Heutzutage kann man zwar alles Mögliche über das Internet in Erfahrung bringen. Was jedoch fehlt, ist der Austausch. Auch wenn es häufig mich nicht direkt betreffende Probleme sind, macht es Spaß, sich für andere einzusetzen und Lösungswege zu finden.

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OLIVER LACKNER, FRIEDRICH-SCHILLER-UNIVERSITÄT JENA, 9. SEMESTER

1. Warum möchtest Du trotz veränderter Arbeitsbedingungen Zahnarzt werden?

Die Entscheidung, Zahnmedizin zu studieren, kam nicht aus der Überlegung, ob Human- oder Zahnmedizin das Richtige sei, sondern vielmehr, welcher Beruf ein (einigermaßen) flexibles selbstständiges Arbeiten ermöglicht.
Das eigene Geschäft eigenverantwortlich zu betreiben, sprach mich von vornherein an. Als Zahnarzt selbstständig eine Praxis zu führen, lag daher nicht fern. Es erfordert weit mehr, als bloß die betriebswirtschaftlichen, geschweige denn die medizinischen Grundlagen zu beherrschen. Rechtsabteilung, Personaler, Künstler, alles läuft in der Zahnarztpraxis zusammen. Eine große Herausforderung, aber auch eine lohnende. Ich helfe Menschen, erhalte ihr Lächeln oder zaubere ein neues.
Wie ich auf den Tagungen des FVDZ bereits mitbekommen habe, wird der Beruf großen Veränderungen unterworfen, gerade die Selbstständigkeit wird in Frage gestellt. Ob es sich da lohnt, trotzdem die Selbstständigkeit anzustreben? Trotz der sich verändernden Arbeitsbedingungen scheint mir, dass der selbstständige Zahnarzt weiterhin den Beruf prägen und die Versorgung sichern wird. Daher möchte ich Teil des Berufsstandes werden und zum Erhalt dessen beitragen.

2. Wie bist Du zum FVDZ gekommen?

Den FVDZ habe ich über einen Kommilitonen und unsere Universitätsbeauftragte kennen gelernt. Ich wurde gefragt, ob ich als studentisches Mitglied an der Jahreshauptversammlung teilnehmen wollte - eine komplett neue Erfahrung, bei so einer großen Tagung dabei zu sein. Man erfährt unglaublich viel über die ‚freie Wildbahn‘, was man unter dem akademischen Schirm der Uni so gar nicht mitbekommt.

3. Für welche Themen machst Du Dich stark?

Die Selbstständigkeit ist für mich ein großes Thema, es ist einer der Gründe für die Berufswahl. Deshalb finde ich die Arbeit des Freien Verbandes in höchstem Maße wichtig, um einer Unterminierung durch die Politik entgegenzuwirken. Wichtig finde ich außerdem den Austausch von Studierenden über Probleme der jeweiligen Universität. Daher liegt mir auch der Ausbau des nun schon ein Jahr alten Studierendenparlaments am Herzen. Im  StuPa begeistert mich vor allem die Teamatmosphäre und das Zusammenwirken mit Kommilitonen und zukünftigen Kollegen. Dass die Arbeit des Studierendenparlaments auch Einzug in die Hauptversammlung findet, fördert die Motivation, in Zukunft weiter mitzugestalten.
Es bleibt spannend, wohin sich der Berufsstand entwickeln wird.

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MARLENA LANGE, FRIEDRICH-SCHILLER-UNIVERSITÄT JENA, 5. SEMESTER

1. Warum möchtest Du trotz veränderter Arbeitsbedingungen Zahnärztin werden?

Aktuell bin ich im 5. Semester und bis jetzt hat sich keiner meiner Kommilitonen darüber wirklich einen Kopf gemacht. Wäre ich nicht Mitglied im Studierendenparlament, würde ich mich mit dieser Thematik höchstwahrscheinlich auch nicht auseinandersetzen. Ich denke, der Beruf Zahnärztin ist eine relativ sichere Grundlage, vor allem in Anbetracht späterer Familienplanung. Was aber für mich das allerwichtigste ist, unabhängig von sich ändernden Arbeitsbedingungen, ist die Freude am Handwerk und dem Berufsbild. Da ich absolut glücklich mit meinem späteren Beruf bin, stellt das kein Hindernis dar.

2. Wie bist Du zum FVDZ gekommen?

Das erste Mal habe ich vom FVDZ in einer Veranstaltung im Rahmen der Studieneinführungstage gehört. Aber erst jetzt, knapp zwei Jahre später, bin ich glücklicherweise über meinen Freund, der schon seit ein paar Jahren aktiv dabei ist, im Studierendenparlament angekommen.

3. Für welche Themen machst Du Dich stark?

Ich denke, gerade durch den immensen Druck durch MVZ, aber auch dadurch, dass die Krankenkassen immer weniger Zuschläge zahlen, wird die Arbeit des Zahnmediziners immer mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit. In den 80er Jahren zum Beispiel hatten die Zahnärzte sehr viel mehr Freiraum in den Behandlungsmöglichkeiten. Gerade im Zuge der MVZ-Problematik und der Tatsache, dass die Welt immer hektischer wird, ist es mir ein wichtiges Anliegen, später meine Patienten, so wie es immer sein sollte, angemessen und bestmöglich versorgen zu können, ohne den Druck, bestimmte Behandlungen verkaufen zu müssen, nur um den Umsatz zu steigern. Außerdem ist in diesem Sinne auch ein gutes Patienten- Zahnarzt-Verhältnis wichtig, da der Patient gerne zu mir kommen und nicht schon mit Schweißausbrüchen und Angstzuständen im Wartezimmer sitzen soll - oder gar nicht erst kommt.
Daher werde ich mich in jedem Fall dafür einsetzen, dass Fremdinvestoren sich nicht in die Praxen einkaufen dürfen, den fairen Wettbewerb gefährden und die Arbeitsbedingungen drastisch verschlechtern.

Autorin: Maike Raack

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