FVDZ aktuell vom 28.5.2026
- Dabei sein: Fortbildung, Fit & Fun beim Sommerkongress
- FVDZ: Anti-Belästigungs-Paragraph gehört in Compliance Richtlinie
- Praxisnahe Fortbildung: Botulinumtoxin und Sonographie in der Oralchirurgie
- MIT: GKV-Sparkurs „politisch motiviert“
- GKV-Reform: Arbeitgeber befürchten steigende Beiträge
- Pflege: Milliardendefizit erwartet – „Die Hütte brennt“
- Bundestag: Neue Debatte zur Organspende
- Praxistipp: Aus vielen Perspektiven betrachtet
Aus dem Verband
Dabei sein: Fortbildung, Fit & Fun beim Sommerkongress
Neben spannenden Fortbildungen bietet der Freie Verband beim renommierten und beliebten Zahnärzte-Sommerkongress nächste Woche erstmals ein Sportprogramm an. Vom 1. bis 5. Juni 2026 können Zahnärztinnen und Zahnärzte mit ihren Praxisteams im A-Rosa Kurhaus in Binz an zahlreichen Vorträgen und praxisnahen Seminaren aus verschiedenen Bereichen der Zahnmedizin teilnehmen. So stehen Implantatprothetik, Parodontologie, Periimplantitis und 3D-Druck zur Auswahl, ebenso aktuelle Infos zur Ruhestandsplanung für Babyboomer, die Praxis im Behördencheck sowie Aspekte für die alltägliche Praxistätigkeit. Darüber hinaus gibt es in der Kongresswoche passend zum Motto „Sportsommer der Präventionsweltmeister" Sport-Highlights wie Yoga, Lauftreffs und Beachvolleyball. Das komplette Programm mit Buchungsmöglichkeit finden Sie hier.
FVDZ: Anti-Belästigungs-Paragraph gehört in Compliance Richtlinie
Die Studentinnen auf dem Deutschen Ärztetag haben es offen angesprochen: Im Verlauf des Ärztetags in Hannover kam es zu sexueller Belästigung und übergriffigem Verhalten. Sie schilderten Situationen, die keine Einzelfälle seien und machten deutlich: Es handelt sich um ein „systemisches Problem“. Laut Bundesärztekammer folgte im Plenum eine „intensive Debatte über Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen im Gesundheitswesen“. Ärztepräsident Klaus Reinhardt stellte klar, dass Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt – egal ob verbal oder körperlich – den Werten des ärztlichen Berufs „fundamental widersprechen“. Neben vielen anderen Verbänden und Organisationen im Gesundheitswesen, hat sich auch der FVDZ diesen Aussagen angeschlossen und beschlossen, einen „Anti-Harassment-Paragraphen“ in die Compliance Richtlinien des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte aufzunehmen. Wörtlich wird es darin heißen: „Der FVDZ duldet im gesamten Verbandsleben – einschließlich aller Gremien, Veranstaltungen und der Verbandskommunikation – keine Form von Diskriminierung, Mobbing, (sexueller) Belästigung oder allgemein übergriffigem Verhalten.“
Quelle: Ärztezeitung, Hartmannbund, FVDZ
Praxisnahe Fortbildung: Botulinumtoxin und Sonographie in der Oralchirurgie
Bei der aktuellen Fortbildung des Bundesverbands Deutscher Oralchirurgen (BDO) zum Thema „Botulinumtoxin und Sonographie in der Oralchirurgie“ standen vergangenen Freitag und Sonnabend in Köln moderne Therapiekonzepte und praxisnahe Diagnostik im Fokus. Neben fundierten theoretischen Grundlagen konnten die Teilnehmer im Hands-on-Training Anwendungen direkt praktisch üben und sonographische Techniken selbst anwenden. Die stellvertretende FVDZ-Bundesvorsitzende Jeannine Bonaventura war ebenso dabei wie FVDZ-Vorstandsmitglied Damian Desoi. Thema waren unter anderem der Einsatz von Botulinumtoxin bei Bruxismus, CMD und hypertropher Kaumuskulatur sowie die Bedeutung der Sonographie in der oralchirurgischen Diagnostik. Besonders der hohe Praxisanteil und der interdisziplinäre Austausch machten die Fortbildung zu einem wertvollen Update für den klinischen Alltag. Ein herzlicher Dank gilt den Referenten und Organisatoren für den hochaktuellen und hervorragend gestalteten Kurstag.
Aus der Gesundheits- und Standespolitik
MIT: GKV-Sparkurs „politisch motiviert“
Gemäß einer Stellungnahme des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises (GPA) der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Schleswig-Holstein (MIT-SH) ist der Gesetzentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ein „politisch motiviertes Sparprogramm auf Kosten der Patientenversorgung“. Besonders gravierend sei die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen durch die GKV und die Tatsache, dass „ausgerechnet der leistungsfähigste Teil des Systems: der ambulante Sektor“ belastet werde. Folglich müsse dieser Entwurf „grundlegend überarbeitet“ werden. Änderungsvorschläge kommen unter anderem vom Institut für Mikrodaten-Analyse Kiel (Prof. Dr. Thomas Drabinski), das die versicherungsfremden Leistungen auf insgesamt rund 47 Milliarden Euro beziffert, sowie von KV SH, Hartmannbund SH, Ärztegenossenschaft Nord und von KZV SH, Zahnärztekammer SH gemeinsam mit dem FVDZ SH. Letztere wenden sich vor allem gegen die geplante Änderung der KFO-Behandlungen, wohingegen die geplante Änderung reduzierter Festzuschüsse „akzeptabel“ sei – „sofern die Änderungen zu § 71 SGB V NEU unterbleiben“ (Punktwertminderung um einen Prozentpunkt 2027–29).
Quelle: GPA MIT-SH
GKV-Reform: Arbeitgeber befürchten steigende Beiträge
Der Arbeitgeberverband (BDA) befürchtet steigende Krankenversicherungsbeiträge für die Arbeitgeber. Bereits nach der Vorlage des Kabinettsentwurfs des neuen GKV-Spargesetzes hatte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger von einer „finanzpolitischen Mogelpackung“ gesprochen. In der FAZ kritisiert der BDA-Chef jetzt, dass die Belastungen „durch die Hintertür“ stiegen, obwohl die Bundesregierung zumindest Beitragsstabilität in Aussicht gestellt habe. Für viele Arbeitgeber sind die Sozialversicherungsabgaben ein Standortargument. Die Zusatzbelastung für die Arbeitgeber beziffert er im FAZ-Interview mit 3,2 Milliarden Euro – allein 1,3 Milliarden Euro davon durch die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze. Um weitere Beitragssatzsteigerungen zu vermeiden und gleichzeitig Patientenströme besser zu steuern, schlagen die Arbeitgeber unter anderem eine „Kontaktgebühr“ bei jedem Arztbesuch und eine Absenkung des Krankengeldes vor. Zudem sprechen sie sich dafür aus, die Gesundheitskosten für Bezieherinnen und Bezieher von Bürgergeld vollständig aus Steuermitteln zu finanzieren.
Quelle: FAZ
Pflege: Milliardendefizit erwartet – „Die Hütte brennt“
Um die gesetzliche Pflegeversicherung ist es noch schlechter bestellt als bisher erwartet. Allein im ersten Quartal 2026 hat die Pflegeversicherung ein Minus von 667 Millionen Euro verzeichnet, gleichzeitig ist ein Darlehen von 800 Millionen Euro in die Pflegekasse geflossen. Insgesamt steigt das Pflegedefizit in diesem Jahr auf 4,2 Milliarden Euro. DAK-Chef Andreas Storm rechnet noch in diesem Jahr mit einer Beitragserhöhung von bis zu 0,2 Prozentpunkten. Der Chef des GKV-Spitzenverbands Oliver Blatt sagte im Spiegel: „Bei der Pflegekasse brennt die Hütte und wir müssen uns dringend ans Löschen machen.“ Bundesgesundheitsministerin Nina Warken arbeitet derzeit an einer Pflegereform, die eigentlich Mitte Mai bereits vorliegen sollte. Noch ist aber unklar, wann das Kabinett sie verabschieden kann. Angesichts des enormen erwarteten Defizits kündigte Warken nun an, kinderlose Beitragszahler mehr in die Pflicht zu nehmen. Ihr Zusatzbeitrag zur Pflegeversicherung soll um 0,1 Prozentpunkt auf einen 0,7 Prozentpunkte höheren Beitrag als den von Beitragszahlern mit Kindern steigen.
Quelle: Spiegel, RND, Ärztezeitung
Bundestag: Neue Debatte zur Organspende
Eine Gruppe von Abgeordneten über Fraktionsgrenzen hinweg fordert eine Widerspruchslösung bei der Organspende, eine andere Gruppe stellt sich dagegen. Künftig solle jeder volljährige und einwilligungsfähige Mensch ein möglicher Organspender sein, wenn er/sie nicht explizit widersprochen habe, erläuterte die Ärztin Sabine Dittmar (SPD). Nach Umfragen äußerten 75 Prozent der Deutschen, spenden zu wollen – doch liege die dokumentierte Spendenbereitschaft deutlich dahinter. Peter Aumer (CSU) sagte, bei der Vermittlungsstelle Eurotransplant sei Deutschland das einzige Land ohne Widerspruchslösung; Armin Grau (Grüne) sieht in ihr eine Entlastung der Angehörigen. Indes wird sie von anderen als „Grundrechtseingriff“ gewertet. Michael Brand (CDU), der einen fraktionsübergreifenden Antrag für mehr freiwillige Organspenden mitinitiiert hatte, mahnte, verbessert werden müssten Möglichkeiten zur Abgabe einer Erklärung, etwa in Bürgerämtern. Vor der ersten Lesung im Bundestag soll es eine Orientierungsdebatte geben voraussichtlich noch vor der parlamentarischen Sommerpause.
Quelle: Die Zeit, dpa, ÄrzteZeitung, DÄ
Praxistipp der Woche
Aus vielen Perspektiven betrachtet
Der Sammelband „Praxis der zahnärztlichen Begutachtung – zahnmedizinische und medizinrechtliche Grundlagen“ beleuchtet Aspekte der Neutralität und Evidenzorientierung im Gutachterwesen. Dazu äußern sich Sachverständige, aber auch Juristen und Vertreter der Selbstverwaltung.