FVDZ aktuell vom 31.1.2023

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Themen dieser Ausgabe

 

  • MFA- und ZFA-Protesttag: 8. Februar am Brandenburger Tor
  • Virchowbund: Keine Privatisierung der Terminvergabe!
  • Infektiologen: Maskenpflicht kann entfallen
  • Patientenberatung: UPD soll Stiftung werden
  • PKV: Weniger Vollversicherte
  • Praxisratgeber: Mitarbeitergespräche
  • Cube: Hausarzt der Zukunft?

 

Aus der Gesundheits- und Berufspolitik

 

MFA- und ZFA-Protesttag: 8. Februar am Brandenburger Tor


Der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) setzt seine Protestaktionen fort. „Will die Politik so lange warten, bis der Zustand bedrohlich ist – wie derzeit in den Kinder- und Jugendarztpraxen?“, fragt vmf-Präsidentin Hannelore König. Der ambulante Sektor trage das Gesundheitswesen. In Krankenhäusern würden rund 20 Mio. Patientenfälle pro Jahr behandelt, in Arzt- und Facharztpraxen seien es rund 600 Mio. Fälle. MFA und ZFA würden dabei einen entscheidenden Beitrag leisten. „Ihnen steckt die Coronapandemie noch in den Knochen. Hinzu kommen Probleme mit der Digitalisierung und neue Unsicherheiten mit dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz“, erklärt König. „Das Limit ist für MFA bereits überschritten und die ZFA stehen nach wie vor im Nebel.“ Neben dem Aerosol- und Tarifnebel sei unklar, wie sich die Budgetierung, insbesondere in der Parodontitistherapie, auswirken werde. Immer mehr MFA würden ihren Beruf aufgrund der hohen Stressbelastung und der fehlenden Wertschätzung durch die Politik verlassen. Der Arbeitsmarkt sei faktisch leer, freie Stellen könnten nicht nachbesetzt werden, aber die Auswirkungen auf die zahnärztliche Versorgung und die Mundgesundheit würden von den Verantwortlichen in der Politik nicht gesehen. Termin: 8. Februar 2023, 13.30 bis 16.00 Uhr, vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Quelle: vmf, jh

 

Virchowbund: Keine Privatisierung der Terminvergabe!


Mit Befremden hat der Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte (Virchowbund) auf den Vorschlag der FDP reagiert, die Terminvermittlung beim Arzt über kommerzielle Unternehmen wie doctolib oder Jameda zu fördern. „Es gibt eine Terminservicestelle der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter der Rufnummer 116 117 und sie funktioniert!“, erklärte der Virchowbund-Vorsitzende Dirk Heinrich. Zuständig für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung sei die KBV. Darum gehöre die Terminvermittlung dort hin. Mit dem Vorschlag verrate die FDP den freien Beruf des Arztes, weil kommerzielle Anbieter keine Versorgungsverantwortung hätten wie die Ärzteschaft, sondern ein Geschäftsmodell, das sich vor allem durch teilnehmende Ärzte finanziere. Wartezeiten bei Arztterminen seien Folge der Budgetierung und des Ärztemangels. Heinrich forderte, stattdessen die hohe Zahl unentschuldigt versäumter Arzttermine anzugehen und dadurch die „Ressource Arzt“ besser zu nutzen. Inzwischen werde jeder vierte online vereinbarte Termin ohne rechtzeitige Benachrichtigung vom Patienten versäumt.
Quelle: änd, jh

 

Infektiologen: Maskenpflicht kann entfallen


Nachdem die Bundesregierung die vorzeitige Aufhebung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung beschlossen hat, fordern Infektiologen die Aufhebung der Maskenpflicht auch für Beschäftigte, Patienten und Besucher von Arztpraxen und Krankenhäusern. Ebenso könne die Testpflicht beim Zutritt entfallen, erklärte die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Außer in Bereichen wie der Onkologie oder in Transplantationseinrichtungen gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit mehr für eine flächendeckende Test- und Maskenpflicht. Die Bevölkerung sei – durch Impfung oder durchgemachte Infektionen – mittlerweile breit gegen SARS-CoV-2 immunisiert, sagte DGI-Präsident Prof. Bernd Salzberger. Auch die Belastungen auf den Intensivstationen und infektiologischen Abteilungen gingen deutlich zurück. „SARS-CoV-2 ist hierzulande jetzt ein Gesundheitsrisiko unter vielen“, bilanzierte der Infektionsmediziner. „Daher sollten die Maßnahmen jetzt aufgehoben werden – auch um die Akzeptanz für zukünftige Einschränkungen nicht zu gefährden, sollte eine ungünstige Entwicklung der Infektionslage derartiges wieder nötig machen.“ Masken- und Testnachweispflicht sind im Infektionsschutzgesetz, das bis April 2023 gültig ist, noch vorgeschrieben.
Quelle: äz, jh

 

Patientenberatung: UPD soll Stiftung werden


Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) soll unabhängig werden. Ziel sei, die UPD als Stiftung bürgerlichen Rechts in eine dauerhafte, staatsferne und unabhängige Struktur unter Beteiligung der maßgeblichen Patientenorganisationen zu überführen, heißt es in einem Gesetzentwurf der Bundesregierung. Der Vorstand wird künftig von einem Stiftungsrat bestellt, der aus 13 Mitgliedern bestehen soll. Die nach dem SGB anerkannten maßgeblichen Organisationen für die Wahrnehmung der Interessen der Patienten und der Selbsthilfe chronisch kranker und behinderter Menschen schlagen dem Stiftungsrat zwei Personen zur Berufung in den Vorstand vor. Finanziert werden soll die Stiftung von 2024 an durch Zuweisung von jährlich 15 Mio. Euro vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen und den privaten Krankenversicherungsunternehmen, wobei der Anteil der PKV bei sieben Prozent liegen soll. Die Zweckerfüllung der Stiftung, die Unabhängigkeit und wissenschaftliche Qualität des Informations- und Beratungsangebots, soll jährlich extern und unabhängig evaluiert werden. Derzeit wird die UPD von der Callcenter-Firma Sanvartis betrieben, vor 2016 wurde die Patientenberatung von einer Gemeinschaft aus Sozialverband VdK, Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und Verbund unabhängige Patientenberatung (VuP) wahrgenommen. Zu den thematischen Schwerpunkten gehören Patientenrechte, Behandlungsfehler, psychische Erkrankungen und Leistungen von Kostenträgern. In der ersten Lesung im Deutschen Bundestag haben die Koalitionsfraktionen die Pläne weitgehend unterstützt, während aus der Opposition scharfe Kritik an der Ausgestaltung der Gremien und vor allem an der Finanzierung der UPD kam.
Quelle: änd, jh

 

PKV: Weniger Vollversicherte

Obwohl 2022 mehr Menschen aus der GKV in die private Krankenversicherung wechselten als umgekehrt, verzeichnete die PKV erneut einen Mitgliederverlust in der Vollversicherung (minus 0,16 Prozent). Aktuell gibt es 8,7 Mio. PKV-Vollversicherte. Die Abgänge aus der PKV erfolgten „in der Regel nicht freiwillig“, betonte der PKV-Verband. Tausende seit der Geburt privatversicherte junge Leute hätten beim Eintritt ins Berufsleben ebenso in die GKV wechseln müssen wie Tausende Selbstständige bei Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Beitragseinnahmen erhöhten sich um 3,1 Prozent auf 46,8 Mrd., die Alterungsrückstellungen stiegen auf 315,5 Mrd., die Versicherungsleistungen betrugen insgesamt 33,1 Mrd. Euro.
Quelle: tsb, jh

 

Aus dem Verband

 

Praxisratgeber: Mitarbeitergespräche


Eine Übersicht über verschiedene Formen der Mitarbeitergespräche und deren Nutzen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des FVDZ-Praxisratgebers. Die Publikation liefert regelmäßig kompakte Artikel aus den Themengebieten Praxisorganisation, Patientenkommunikation, Mitarbeiterführung und Teamentwicklung. Die Artikel informieren fundiert darüber, in welcher Weise Maßnahmen und Instrumente der Praxis- und Mitarbeiterführung in der täglichen Arbeit erfolgreich eingesetzt werden können. Praktische Arbeitshilfen in Form von Checklisten, Mustervorlagen und Serviceangeboten machen den FVDZ-Praxisratgeber online zu einem wertvollen Begleiter für die tägliche Praxisführung – exklusiv für FVDZ-Mitglieder. Direkt zum Praxisratgeber: www.fvdz.de/praxisratgeber

 

Auch das noch

 

Cube: Hausarzt der Zukunft?


Cube ist ein Industriecontainer mit medizintechnischer Ausstattung. Röntgen, Ultraschall, Blutdruck- und Augendruckmessung ist möglich – ein Arzt ist nicht notwendig. Der kann irgendwo auf der Welt als Tele-Arzt per App kontaktiert werden. Curalie heißt die App und sie ist das zweite Element im Helios Global Health-Kosmos. Das dritte ist das Digital Hospital, in dem die Tele-Ärzte arbeiten. In Kolumbien hat der Helios-Konzern kürzlich seinen ersten Cube in Betrieb genommen. Es gebe ein großes Bedürfnis nach medizinischer Basisversorgung, erklärte Helios-CEO Robert Möller. Nicht nur in Kolumbien, Vietnam oder Afrika, sondern auch in Deutschland. Viele Mitbürger hätten Angst, dass die Basisversorgung nicht aufrechterhalten werden könne. Dabei komme es gar nicht darauf an, überall ausgebildete Ärzte vorzuhalten, sondern niederschwellige Touchpoints. Das Interesse am Cube ist nach seinen Angaben auch in Deutschland groß. Als vorbildlich betrachtet Möller Finnland. Dort biete eine App einen Symptom-Check und dazu die Möglichkeit zum Videoaustausch mit einem Arzt oder einer Ärztin. Das werde aber praktisch nie genutzt, „weil am Ende die Patienten gar keinen Arzt sehen wollen, sondern wissen wollen, was sie tun sollen“. Die behauptete longitudinale empathische Beziehung zum Arzt sei viel weniger von Bedeutung als viele das einschätzten, sagte Möller, der selbst Kardiologe ist.
Quelle: änd, jh

Der Autor

Dr. Joachim Hüttmann

Dr. Joachim Hüttmann ist seit 1986 niedergelassener Zahnarzt in Bad Segeberg. Nach dem Studium promovierte er zum Thema Parodontologie.

Er war Kreisvereinsvorsitzender und Landesvorsitzender des Freien Verbandes in Schleswig-Holstein, Vorstand Öffentlichkeit der Zahnärztekammer und Vorsitzender der KZV-Vertreterversammlung, langjähriges Mitglied des FVDZ-Bundesvorstandes und Chefredakteur des DFZ.

Seit 2019 ist er (wieder) Chefredakteur des FVDZ aktuell (früher FreiFax).

Mail: presse@fvdz.de