FVDZ aktuell vom 21.4.2026
- Offener Brief: Prämie wirkt wie Zusatzabgabe für Arbeitgeber
- Prophylaxe: Spende für starke Kinderzähne
- FVDZ-Webtalk: CDU-Sprecherin Borchardt zu GKV-Sparvorschlägen
- Neue Uni: FVDZ Thüringen begrüßt erste Studis
- Sachsen-Anhalt: Der FVDZ wird mehr gebraucht denn je
- Spargesetz: Budgetierung und Einschränkungen der Berufsausübung
- Längsschnittanalyse: Kariesprävention wirkt nachhaltig
- Kassenkritik: Linnemann für Reduzierung
- INZ: Ärzte sollen im Notfall Arzneimittel abgeben dürfen
- Praxistipp: Ohne Dokumentation ist alles nichts
Aus dem Verband
Offener Brief: Prämie wirkt wie Zusatzabgabe für Arbeitgeber
Es wirkt fast wie eine Laune des Bundeskanzlers und seines Koalitionsausschusses, deren Folgen allerdings nicht bedacht wurden. 1.000 Euro „Entlastungsprämie“ sollten Arbeitnehmer bekommen können wegen der finanziellen Mehrbelastungen, die durch den Krieg im Iran vor allem an den Zapfsäulen und im Supermarkt entstehen. So war es Anfang vergangener Woche überall zu lesen. Inzwischen ist klar: Die Entlastungsprämie sollen die Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewähren – freiwillig, ganz ohne Zwang. Dass dies nicht so einfach ist, gerade in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation, die sich für viele auch noch weiter verschärfen wird, wurde von der Bundesregierung offenbar nicht bedacht. Und so meldeten sich im Laufe der Woche viele kleinere und mittlere Unternehmen zu Wort, die bereits kundtaten, die Prämie nicht zahlen zu können. Die Idee der Bundesregierung kommt für viele zur Unzeit und hat sie kalt erwischt. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) hat einen offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz geschrieben, in dem er darauf hinweist, dass die Entlastungsprämie für Arbeitnehmer für die Arbeitgeber zu einer „politisch ausgelagerten Zusatzabgabe“ werde. Der Erwartungshaltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten die meisten inhabergeführten Praxen nicht standhalten. Die Prämie werde nicht als freiwillige Leistung wahrgenommen, sondern als neuer Standard. Dies schaffe noch mehr Druck in den Praxen und fördere sogar die Abwanderung von Personal aus den Praxen. Hier geht’s zum offenen Brief.
Prophylaxe: Spende für starke Kinderzähne
Ein Krokodil hat am vergangenen Mittwoch am Brandenburger Tor für jede Menge Selfies gesorgt. Bei bestem Frühlingswetter trafen sich der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) und die Landesarbeitsgemeinschaft Berlin zur Verhütung von Zahnerkrankungen (Gruppenprophylaxe) e.V. Mit dabei: Zahnputzkrokodil „Kroko“, das in der Hauptstadt so ziemlich jedes Kind kennt. Denn die LAG kümmert sich darum, dass in Kitas und Schulen das Zähneputzen auf der Tagesordnung steht. Seit Jahresbeginn ist die Zahnpflege in Berliner Kitas sogar gesetzlich verankert. Da kam die Spende vom Freien Verband und der ZA Abrechnungsgesellschaft genau richtig. Die Summe von 1.300 Euro kam beim „Sportsommer der Präventionsweltmeister“ auf einer Fachmesse in München zusammen. Besucherinnen und Besucher haben sich bewegt, Kilometer gesammelt und an der Torwand getroffen – und so direkt zur Spende beigetragen. Das Geld für die zahnärztliche Präventionsarbeit überreichte FVDZ-Geschäftsführer Ralf Rausch dem LAG -Geschäftsführer Andreas Dietze.
FVDZ-Webtalk: CDU-Sprecherin Borchardt zu GKV-Sparvorschlägen
Das erste große Reformpaket kommt – und zwar schneller als gedacht. Noch vor der Sommerpause soll das GKV-Spargesetz durchs Parlament und abgesegnet sein. Diskussionsbedarf wird es vorher allerdings reichlich geben. Für niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte bringt das neue Gesetz neue Kostendämpfungsmaßnahmen mit – trotz steigender Kosten in der Praxis für Personal, Material und Energie. Außerdem soll es Regelungen im Bereich der Kieferorthopädie geben, die Einschnitte in die Berufsausübung darstellen. Beim FVDZ-Webtalk „Neue Spargesetze – Was kommt auf die Zahnärzte zu“ am 28. April, um 19 Uhr, wird der FVDZ-Bundesvorsitzende Christian Öttl mit der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion Simone Borchardt, über das angekündigte Spargesetz und dessen potenzielle Auswirkungen auf die Zahnarztpraxen in Deutschland sprechen. Anmelden können Sie sich unter www.fvdz.de oder per Mail unter webtalk@fvdz.de.
Aus den Landesverbänden
Neue Uni: FVDZ Thüringen begrüßt erste Studis
Mit einem Festakt in der Erfurter Kaufmannskirche hat die HMU Health and Medical University die ersten 45 Studierenden der Zahnmedizin immatrikuliert. Mit diesem ersten Semester setzt die private, staatlich anerkannte Uni ein deutliches Zeichen gegen den Fachkräftemangel in der Zahnärzteschaft und leistet einen bundesweiten Beitrag zur Patientenversorgung. HMU-Rektor Thomas Steiner, Prodekan Thomas Hoffmann und Gründerin und Geschäftsführerin Ilona Renken-Olthoff betonten die Besonderheiten des Standortes, an dem in Zukunft in einem modernen, praxisnahen Konzept gelehrt werde, das Interprofessionalität und neueste technologische Standards in den Mittelpunkt stelle. Neben dem Vorsitzenden der LZK Thüringen Ralf Kulick und dem Vorsitzenden der KZV Thüringen Knut Karst war der Freie Verband Deutscher Zahnärzte mit Elisabeth Triebel als Landesvorsitzende Thüringens und Bundesvorstandsmitglied sowie weitere Landesvorstandsmitglieder dabei.
Sachsen-Anhalt: Der FVDZ wird mehr gebraucht denn je
Die aktuelle politische Lage und der dringende Handlungsbedarf des Verbandes haben am vergangenen Freitag bei der Landesversammlung in Sachsen-Anhalt im Mittelpunkt gestanden. Dabei gab es den Wunsch nach lauterem Protest, aber auch lobende Worte für den Bundesvorstand, zum Beispiel für die schnell veröffentlichte Pressemitteilung des FVDZ zu den Plänen der Bundesregierung hinsichtlich einer Entlastungsprämie für Arbeitnehmer. Im Rahmen der Anträge und Beschlüsse wurde auch eine Resolution zur Gesundheitsreform diskutiert und verabschiedet. Fest steht: Der FVDZ wird mehr gebraucht denn je. Grußworte gab es vom Vizepräsidenten der Zahnärztekammer Maik Pietsch sowie vom Vorstand der KZV Sachsen-Anhalt Jochen Schmidt. Neben dem Bericht des Landesvorsitzenden Jakob Osada haben FVDZ-Geschäftsführer Ralf Rausch zur Arbeit der Bundesgeschäftsstelle, Christian Gernhardt aus dem Vorstand der Zahnärztekammer zur Nachwuchsarbeit und Zahnärztin Anne Behrens zur ePA-Befüllung referiert. Darüber hinaus waren Vertreter aus dem Landesvorstand Sachsen, Thüringen und dem Bundesvorstand anwesend.
Aus der Gesundheits- und Standespolitik
Spargesetz: Budgetierung und Einschränkungen der Berufsausübung
Am Dienstag die Ankündigung, am Donnerstag dann der Gesetzentwurf: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken macht nun Tempo und Ernst mit den Spargesetzen. GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes heißt das Werk, das mitunter sehr kleinteilig auf 157 Seiten Einsparungen im Gesundheitswesen von insgesamt 19,7 Milliarden Euro im nächsten Jahr regeln soll. Betroffen durch das langerwartete Spargesetz sind Zahnärztinnen und Zahnärzte vor allem in drei Richtungen: Zum einen werden sie unter die Begrenzung des Vergütungsanstiegs auf die Grundlohnrate (in den Jahren 2027 bis 2029 minus ein Prozent) fallen – was auch für den Bereich Zahnersatz gilt. Zum anderen werden die Festzuschüsse für Zahnersatz wieder auf den Stand von 2020 zurückgenommen. Schwer betroffen von dem Gesetz ist der Bereich der Kieferorthopädie. Geplant ist hier laut Gesetzentwurf, dass kieferorthopädisch tätige Zahnärzte, die keine dreijährige fachärztliche Weiterbildung haben, künftig nicht mehr kieferorthopädisch behandeln dürfen. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) sieht diese Regelung neben den sonstigen Einschränkungen für kieferorthopädische Behandlungen als rechtlich nicht haltbar an. „Dies stellt unserer Ansicht nach einen nicht nachvollziehbaren Eingriff in die Berufsausübungsfreiheit dar“, kritisiert der FVDZ-Bundesvorsitzende Christian Öttl. „Es darf nicht einfach politisch gestrichen werden, was Zahnärzten qua Approbation erlaubt ist. Wir müssen und werden geschlossen als Berufsstand agieren!“ Das erste Warkensche Spargesetz, das einen Großteil der Vorschläge der GKV-Finanzkommission aufgreift, soll bereits am 29. April im Kabinett verabschiedet werden. Widerstand gegen viele der neuen Regelungen wird erwartet. Dennoch soll das Gesetz noch vor der Sommerpause auch vom Parlament gebilligt sein.
Quelle: BMG, Tagesspiegel Background, FVDZ
Längsschnittanalyse: Kariesprävention wirkt nachhaltig
Zahnärztliche Prävention zahlt sich aus. So das Fazit der Längsschnittergebnisse der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6), die das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) vergangene Woche in Berlin vorgestellt haben. Studienteilnehmende aus der DMS 5 wurden nach rund neun Jahren erneut untersucht, um die Entwicklung der Mundgesundheit der Bevölkerung nachzuvollziehen und detaillierte Einblicke in individuelle Krankheitsverläufe zu erhalten. Das Ergebnis: Die Erfolge der Kariesprävention bei Kindern wirken nachhaltig und reichen bis ins Erwachsenenalter. Die präventionsorientierte Zahnmedizin hat zum Beispiel zur Folge, dass bei den heute 20-Jährigen, die zum Zeitpunkt der DMS 5 kariesfrei waren, im Untersuchungszeitraum maximal ein Zahn an Karies erkrankte. Auch bei den heute 33- bis 44-Jährigen zeigt sich dieser Effekt. Als eine der größten Herausforderungen wurde die Reduktion parodontaler Erkrankungen genannt. Laut Datenanalyse findet die entscheidende Krankheitsdynamik im mittleren Erwachsenenalter statt. Daraus lasse sich ableiten, dass die Parodontitistherapie deutlich früher ansetzen sollte, sagte Rainer Jordan, Wissenschaftlicher Direktor des IDZ. Mehr Infos gibt es hier.
Kassenkritik: Linnemann für Reduzierung
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat sich in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv für eine deutliche Reduzierung der Zahl der Krankenkassen ausgesprochen. „Wir haben über 90 Krankenkassen, die in der Regel die gleichen Leistungen anbieten. Riesen-Verwaltungsvolumen, da müssen wir ran. Ich finde, zehn Krankenkassen in Deutschland reichen“, erklärte Linnemann laut apotheke adhoc im Verweis auf dpa. Auf seinen Vorschlag reagierte Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, gegenüber dem „Stern“. Die Finanzkommission Gesundheit habe herausgearbeitet, dass der Anteil der Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben seit Jahren sinke. Die Kommission sieht laut Pharmazeutischer Zeitung (PZ) bei den Kassen nur Sparpotenzial im Reduzieren einer Werbeausgaben-Obergrenze, damit auch nicht bei den Vorstandsgehältern der Kassen, und konstatiert, dass einige Kommissionsmitglieder nebenberuflich in Krankenkassengremien sitzen.
Quelle: dpa, PZ, apotheke adhoc, änd
INZ: Ärzte sollen im Notfall Arzneimittel abgeben dürfen
Ärzte und Ärztinnen in Notdienstpraxen der geplanten integrierten Notfallzentren (INZ), für die Bundeswehrkrankenhäuser vorrangig berücksichtig werden sollen, sollen Arzneimittel an Patienten abgeben dürfen, schreibt das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) und verweist auf eine Neuerung im Referentenentwurf zur Reform der Notfallversorgung. Demnach sollen Ärzte apothekenpflichtige Medizinprodukte „für den akuten Bedarf in einer zur Überbrückung für längstens drei Tage benötigten Menge abgeben“ dürfen. Voraussetzung sei, dass das Arzneimittel dringend benötigt werde und die Abgabe in Apotheken wegen Schließzeiten nicht erfolgen kann. Nicht erlaubt werden soll die direkte Abgabe von Arzneimitteln nach dem Betäubungsmittelgesetz. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband kritisiert, dass der Bereitschaftsdienst nicht berücksichtigt wird.
Quelle: DÄ, PZ
Praxistipp der Woche
Ohne Dokumentation ist alles nichts
Bei der neuen PAR-Strecke gab es einige Überraschungen. Erst wurde die parodontale Gesundheit unbudgetiert gefördert, dann hat der frühere Gesundheitsminister den Hahn wieder zugedreht. Ein neues Ärgernis kommt jetzt von den Krankenkassen.