Wöchentlicher Newsletter FVDZ aktuell

Das FVDZ aktuell bietet jeden Dienstag die wichtigsten News aus der Berufs- und Gesundheitspolitik, dem Verbandsleben sowie Kommentierungen zu ausgewählten Themen in kompakter Form. Außerdem gibt es immer einen Praxistipp und aktuelle Infos über Kongresse, Seminare und Webinare.

 

Sie wollen keine Neuigkeiten mehr verpassen? Jetzt abonnieren!

Nutzung von Google ReCaptcha zustimmen. (Seite lädt neu)

Aus dem Verband

Vorstandssitzungen: FVDZ stimmt geschlossen für das duale System 
Mit einem klaren Bekenntnis zum dualen System ist am vergangenen Freitag die jüngste Sitzung des erweiterten Bundesvorstandes (EV) zu Ende gegangen. Der Bundesvorstand und die Landesvorsitzenden stimmten (bei einer Enthaltung) erneut geschlossen für das aktuelle System mit gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Zu Beginn der hybriden Sitzung in Kiel, zu der die Landesverbände online zugeschaltet wurden, kündigte der Bundesvorsitzende Christian Öttl an, dass es die Forderung nach einem Ausstieg aus der GKV mit ihm an der Spitze des Verbandes nicht geben werde. „Momentan sind 18 Milliarden Euro für die Zahnmedizin im Topf. Wenn wir das System verlassen, ist das Geld weg.“ Aus den 17 Landesverbänden kam mehrheitlich Zustimmung. Christian Honert aus Rheinland-Pfalz prognostizierte, dass ein GKV-Ausstieg für Zahnarztpraxen massive Folgen haben werde. „Wir verlieren junge Kolleginnen und Kollegen, und selbst etablierte Praxen könnten das finanziell eventuell nicht überleben.“ Auch Andreas Koch aus Hessen will am dualen System festhalten: „Wir sollten das jetzige Kassensystem nicht kaputtreden, sondern mit den 18 Milliarden arbeiten, die wir haben“, sagte der Landesvorsitzende. Im Anschluss an die EV-Runde stand der BV noch den Landes- und Bezirksgruppenvorsitzenden in einer Online-Sprechstunde zur Verfügung. Hier gab es unter anderem Infos zur bevorstehenden Hauptversammlung im Oktober in Kassel.

Ostseesymposium: „Wie geht es weiter in der Gesundheitspolitik“  
Der FVDZ-Bundesvorstand hat seine Sitzung nach Kiel verlegt, um parallel auch an dem Ostseesymposium des Landesverbandes Schleswig-Holstein teilzunehmen. Dort gab es am Sonnabend eine politische Podiumsdiskussion. Unter der Moderation von Joachim Hüttmann diskutierten FVDZ-Bundesvorsitzender Christian Öttl, FDP-Landtagsabgeordneter und früherer Gesundheitsminister Schleswig-Holsteins Heinrich Garg sowie der Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Hauke Hansen über die Frage: „Wie geht es weiter in der Gesundheitspolitik und mit der Zahnmedizin?“. Während Garg das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz als „reines Kostendämpfungsgesetz“ bezeichnete, das keine Strukturprobleme löse, räumte Hansen ein, dass die aktuelle Bundespolitik „nicht 100 Prozent der Menschen überzeuge“, aber das oberste Ziel sein müsse, die Freiberuflichkeit zu erhalten. Öttl kritisierte, dass das neue Spargesetz die künftigen Honorarsteigerungen einschränke, während die Kosten in den Praxen immer weiter stiegen. Der FVDZ-Bundesvorsitzende betonte auch in dieser Diskussion, dass zum jetzigen Zeitpunkt an dem dualen Krankenversicherungssystem festgehalten werden müsse. „Das System soll die Basis unserer Arbeit und Abrechnung sein.“ Und der FDP-Politiker Garg schlug vor, im bestehenden System die Beitragsbemessungsgrenze abzuschaffen, damit jeder Versicherte selbst entscheiden könne, für welches Krankenkassenmodell er sich entscheide.

PKV-Herbstfest: Kommunikation und Austausch zu Gebührenordnungen 
Vergangenen Mittwoch haben der Bundesvorsitzende Christian Öttl und Bundesgeschäftsführer Ralf Rausch den FVDZ beim PKV-Herbstfest in Berlin vertreten. Die Veranstaltung fand erstmalig im Museum für Kommunikation statt, was auch das Motto der Veranstaltung prägen sollte. Passend dazu wurde die Reichweite in Social-Media des begleitenden A-capella-Quartetts German Gents hervorgehoben. Inhaltlich teilte der PKV-Verband vor allem seine Sorge um die jüngeren Menschen in Deutschland. In Richtung der Politik und des neuen Gesundheitsministers wurden mutige, strukturelle und langfristig tragfähige Reformen gefordert. In einem gemeinsamen Gespräch mit dem PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther und Bundeszahnärztekammerpräsidentin Romy Ermler hat Öttl die gemeinsame Haltung zur Zukunft der Gebührenordnungen betont. Dieses Mal stand tatsächlich die GOÄ im Mittelpunkt, wobei bei wesentlichen Punkten eine vernünftige Lösung möglich scheint. Darüber hinaus fanden Gespräche mit weiteren PKV-Mitarbeitern und politischen Vertretern statt. Damit konnte der FVDZ erneut einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarkeit der Zahnärztinnen und Zahnärzte im Gesundheitssystem leisten. 

Kostenloses FVDZ-Special im September: Behördliche Begehung
Aus dem umfangreichen Webinar-Kalender unserer digitalen Lernplattform FVDZ-Campus haben wir erneut ein spannendes Fortbildungsangebot ausgewählt, das wir unseren Mitgliedern (Zahnärztinnen und Zahnärzte) sowie deren Praxismitarbeiterinnen und Praxismitarbeitern kostenlos anbieten.

Wann: Freitag, 25. September 2026 von 14.00 bis 18.00 Uhr
Aufgepasst: Wer den Live-Termin verpasst hat oder sich die Fortbildung erneut ansehen möchte, kann das Live-Webinar noch 30 Tage kostenlos auf dem FVDZ-Campus weiterhin abrufen. Der Abrufzeitpunkt beginnt mit der Verfügbarkeit der Aufzeichnung - innerhalb von maximal 2 Werktagen. 

Wir wünschen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Freude am Webinar! Anmeldung und Infos unter „Behördliche Begehung“

 

Aus den Landesverbänden

Baden-Württemberg: Landesversammlung setzt klare Signale
Der Landesvorstand Sachsen des FVDZ, vertreten durch Andreas Huth, Thomas Drachenberg und Cornelia Otto, war am vergangenen Freitag zu Gast bei dem Afterwork-Event „ZA: vor Ort Leipzig“. Unter dem Titel „Klare Zahlen, klare Haltung, klare Linie – wirtschaftliche Sicherheit, ethische Verantwortung und Teamstabilität“ referierte Susanne Woitzik. In einer kurzen Ansprache bekräftigte Huth den Erhalt der Freiberuflichkeit, und Cornelia Otto betonte den hohen Stellenwert des FVDZ als dritte große standespolitische Säule und politische, fachliche und wirtschaftliche Interessenvertretung. Der Abend bot Gelegenheit für persönlichen Austausch und Vernetzung und machte zugleich die gelebte Kooperation zwischen dem FVDZ und der ZA deutlich.

 

Aus der Gesundheits- und Standespolitik

ZäPP: Post von der KZBV
Ende Oktober startet das neue Zahnärzte-Praxis-Panel (ZäPP). Dann erhalten rund 33.000 Zahnarztpraxen Zugangsdaten zu einem Online-Fragebogen zur wirtschaftlichen Situation und Rahmenbedingungen der Praxis. Unter Wahrung von Anonymität und Datenschutz soll eine aussagekräftige und belastbare Datengrundlage zur wirtschaftlichen Entwicklung in der vertragszahnärztlichen Versorgung geschaffen werden. Zudem gibt es einen Sonderfragebogen zu Praxisübergabe und Praxisübernahme. Die Angaben werden von den KZVen und der KZBV für die Verhandlungen mit den Krankenkassen auf Landes- und Bundesebene benötigt. Die Übermittlung der Daten soll mit einer finanziellen Anerkennung honoriert werden.  
Quelle: KZBV

Bundestag: Linnemann als Gesundheitsminister vereidigt
Der neue Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann ist in der vergangenen Woche vereidigt worden. Sein Amt hatte er bereits Ende Juli übernommen – aus Kostengründen wurde allerdings keine Sondersitzung des Bundestages während der Sommerpause zur Vereidigung der neuen Minister nach der Kabinettsumbildung einberufen, sondern der Termin dafür auf die erste Sitzungswoche im September geschoben. Auf Linnemann, der Nina Warken ersetzt, die zur Kanzleramtsministerin aufgestiegen ist, warten große Herausforderungen, die er nach eigenem Bekunden mit Demut und Respekt angehen will. Als erste Amtshandlung sozusagen stellte er den im nächsten Jahr sinkenden Gesundheitsetat im Bundestag vor. Linnemann wird sich vor allem mit dem immer größer werdenden Delta von Einnahmen und Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und großen Strukturreformen auseinandersetzen müssen. Die Ausgaben der GKV stiegen um 7,3 Prozent, die Einnahmen jedoch nur um 4,1 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Der neue Gesundheitsminister erneuerte seinen Vorschlag, den er bereits als CDU-Generalsekretär gemacht hatte, die Zahl der Krankenkassen von heute 93 deutlich reduzieren zu wollen. 
Quelle: Tagesspiegel Background, Ärzteblatt, bundestag.de 

KBV und Virchowbund: Vorschläge zur Primärversorgung
Auf die Vertragsärzteschaft sollte die Politik bei der Ausgestaltung des geplanten Primärversorgungssystems hören, sagte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Stephan Hofmeister laut Deutschem Ärzteblatt (DÄ). Neben der Vermeidung von „bürokratischen Monstern“ wie den vorgesehenen Neuregelungen für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) sei eine adäquate Vergütung der Praxen gut damit zu begründen, dass die ambulante Versorgung die „preiswerteste Lösung“ im System darstelle. So macht sich die KBV auch stark für eine Entbudgetierung mit- und weiterbehandelnder Fachärzte. Derweil warnt der Virchowbund davor, ein Primärversorgungssystem zu einem „hausärztlichen Flaschenhals“ zu entwickeln, dafür fehlten schlicht die Hausärzte – und macht sich stark für ein Koordinationsarztmodell mit Fach- und Hausärzten.  
Quelle: DÄ, Virchowbund

HNO-Ärzte: Weniger Operationen wegen unzureichender Vergütung 
Immer mehr niedergelassene HNO-Ärztinnen und -Ärzte geben das ambulante Operieren aus wirtschaftlichen Gründen auf, gleichwohl der Bedarf bei Kindern (Eingriffe an Rachen- und Gaumenmandeln) unverändert hoch sei. Das ergab eine Mitgliederbefragung des Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO). Kinder müssten heute meist ein halbes Jahr oder länger auf einen OP-Termin warten mit Folgen wie einer verzögerten Sprachentwicklung (88 Prozent) und einer anhaltenden Hörminderung (82 Prozent). Als wichtigsten Grund für die Einschränkung oder Aufgabe ihrer operativen Tätigkeit nennen 59 Prozent der 387 Antwortenden die unzureichende Vergütung der Eingriffe; zugleich signalisieren rund drei Viertel der Befragten die Bereitschaft, zusätzliche operative Kapazitäten bereitzustellen, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern.  
Quelle: BVHNO

Praxistipp der Woche

Keine Lohnfortzahlung nach entzündeter Tätowierung  

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, wenn sich eine Tätowierung entzündet. Zu diesem Schluss ist das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein gekommen. 

Aus dem Verband

B2Run-Lauf in Frankfurt: FVDZ-Sportler wieder dabei
Auch nach der Sommerpause geht es sportlich weiter: Der FVDZ ist vergangene Woche beim B2Run-Lauf in Frankfurt am Main zusammen mit 3.000 anderen Läuferinnen und Läufern an den Start gegangen. Die rund 5,4 Kilometer lange Strecke des Firmenlaufs, an dem auch verschiedene Organisationen teilnahmen, führte durch ein Waldgebiet und endete mit dem Zieleinlauf im Deutsche Bank Park – dem Stadion von Eintracht Frankfurt. Die Sportbegeisterten aus dem FVDZ-Landesverband Hessen waren mit ihren persönlichen Zeiten sehr zufrieden und feierten ihren Erfolg nach dem Lauf am Stand des Verbandsberichtet Damian Desoi, Bundesvorstandsmitglied und stellvertretender Landesvorsitzender. 

 

Aus den Landesverbänden

Niedersachsen: Landesverband beeindruckt mit Sichtbarkeit zum Merz-Zitat 
Der FVDZ-Landesverband Niedersachsen hat in der vergangenen Woche in rekordverdächtiger Geschwindigkeit auf das „Nutznießer“-Zitat von Bundeskanzler Friedrich Merz reagiert. Mit sehr persönlichen Aussagen engagierter FVDZ-Mitglieder aus Niedersachsen wurde damit ein wirksames Echo auf die respektlose Formulierung des Kanzlers gegeben. Die Resonanz ist beeindruckend: Das Video wurde innerhalb einer Woche insgesamt 440.000 mal aufgerufen und angeguckt. Dabei wurde der Beitrag 19.600 mal geliked und 1.154-mal repostet. Damit gehört der Post zu den bisher erfolgreichsten Verbandsmeldungen auf Instagram, wo gerade junge Zahnärztinnen und Zahnärzte einen Zugang zur Berufspolitik bekommen sollen. Der Bundesverband freut sich über den Beitrag und das Engagement der Kolleginnen und Kollegen. Den Beitrag gibt es hier.

Berlin: Die Arbeit in Kammer, KZV und Versorgungswerk im Blick 
Zur Landesversammlung traf sich der FVDZ-Landesverband vergangenen Mittwoch im Ratskeller des Rathaus Schöneberg. Nachdem die Landesvorsitzende Thekla Wandelt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßt hatte, standen drei Schwerpunktthemen auf der Agenda: Kammer, KZV und Versorgungswerk. Der FVDZ besetzt in den dortigen Gremien aktuell Schlüsselpositionen und die verantwortlichen FVDZ-Mitglieder berichteten aus erster Hand. Während die Arbeit in der Kammer nach der Wahl sehr gut angelaufen ist, gestaltet sich die Arbeit im KZV-Vorstand aktuell eher schwierig. Auch die Tätigkeit im Versorgungswerk ist voller Herausforderungen, wobei die beteiligten FVDZ-Mitglieder intensiv an der Aufklärung mitarbeiten. Bei den Mitgliedern herrscht Einigkeit, dass in allen Gremien und Funktionen die konstruktive und überparteiliche Arbeit im Mittelpunkt stehen muss. Nach Fragen und Diskussionen zu den Schwerpunktthemen stellte der FVDZ-Geschäftsführer Ralf Rausch dem Landesverband die aktuellen Projekte in der Bundesgeschäftsstelle und seinen Mitarbeiter für das Studierendennetzwerk Riccardo Schwarz vor. Abschließend wurden Jahresabschluss und Haushalt verabschiedet und die Versammlung nach etwa drei Stunden beendet.

Hessen: Fachfortbildung inklusive Yoga 
Eine ganz besondere Fachfortbildung für Zahnarztpraxen zu CMD, Kiefer-Nacken-Spannungen und Stressregulation steht am 20. September von 10 bis 13.30 Uhr in Frankfurt am Main auf dem Programm. Das FVDZ Dental Day Retreat richtet sich an Zahnärztinnen, Zahnärzte und Praxisteams. Ziel ist es, fachliche Zusammenhänge rund um Kiefer, Kaumuskulatur, Haltung, Atmung und Stress besser verständlich zu machen und alltagstaugliche Entlastungsübungen zu vermitteln. Die Teilnehmenden erleben neben der Theorie im Praxisworkshop inklusive Yoga eigene Entlastung, vertiefen ihr Verständnis für funktionelle Zusammenhänge und nehmen konkrete Impulse für den Praxisalltag sowie für die Patientenkommunikation mit. Ergänzend gibt es einen Guide, der die wichtigsten Inhalte des FVDZ Dental Day Retreats zusammenfasst. Zur Anmeldung geht es hier.

Aus der Gesundheitspolitik

Demo in Berlin: Tausende protestieren für eine gute Gesundheitsversorgung
Die Botschaft war deutlich: „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn.“ Unter diesem Motto haben am vergangenen Sonnabend vor dem Reichstagsgebäude in Berlin Tausende von Menschen gegen das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz protestiert. Initiatorin der Kundgebung war die Kinderärztin Bea Merscher, die kurz zuvor in einer TV-Debatte mit Bundeskanzler Friedrich Merz aneinandergeriet, nachdem er Medizinerinnen und Mediziner als „Nutznießer“ des Gesundheitssystems bezeichnete. Gegen diese Aussage und die geplanten Sparmaßnahmen haben Ärzte, Zahnärzte, Praxismitarbeiter, Pflegekräfte, Hebammen, Therapeuten, Apotheker, Rettungskräfte sowie andere Vertreter der Gesundheitsberufe lautstark protestiert. Zahlreiche Redner und Musiker auf der Bühne betonten mit Blick aufs Kanzleramt, dass sie nicht gegen etwas seien, sondern für eine gute Gesundheitsversorgung und den Schutz der Schwächsten im Land. Auch die Zahnärztin Anna Neubert hatte eine Rede zum GKV-Spargesetz vorbereitet. Doch ihr Auftritt fiel wegen eines plötzlichen Wetterumschwungs aus. Für Bea Merscher war die Demo in der Hauptstaderst der Anfang. Sie kündigte an: „Da kommt noch ganz ganz viel. Weitere Demos in anderen Städten sind in Planung.

Gesundheitsökonom: Merz Aussagen sind „absolut vertretbar“
Auch sonst hat Bundeskanzler Friedrich Merz mit seiner „Sie sind Nutznießer des Gesundheitssystems“-Aussage ganz schön was ins Rollen gebracht. Internet und soziale Medien brachen in der vergangenen Woche förmlich auseinander von Videos und Bildern von Hausärzten, Fachärzten, Zahnärzten und Mitgliedern anderer Heilberufe. Nicht alle haben das Thema so heiter ironisch aufbereitet wie zwei Hebammen, die sich Sekt schlürfend im Kreißsaal räkelten. Den meisten war es mit den Beschreibungen ihres Arbeitsalltags bitterernst – und vermutlich hat Kanzler Merz noch nie so viele Einladungen in die Praxen der Republik bekommen, um sich den Arbeitsalltag mal anzuschauen, wie in der vergangenen Woche. Denn „Nutznießer“ klinge für viele Ärzte wie ein Schlag ins Gesicht, wie die Bild-Zeitung feststellte. Um gleich noch einen draufzusetzen und zwei Ökonomen zu zitieren, die die Aussagen des Bundeskanzlers für „absolut vertretbar“ hielten. Ärzte gehörten wirtschaftlich zu den privilegiertesten Berufsgruppen in Deutschland, gleichzeitig werde das System überwiegend durch Pflichtbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert, wird Nicolas R. Ziebarth Professor am Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zitiert. Aussagen, die nicht unbedingt zur Befriedung des Konflikts beitragen. 
Quelle: Bild 

ePA für alle“: Nicht für jeden zu handhaben
Zwar kennen sie fast alle, doch noch lange nicht jeder nutzt sie: Die „ePA für alle“ – die elektronische Patientenakte, die für jeden zugänglich und nutzbar sein sollte und der man aktiv widersprechen muss, wenn man sie nicht haben will – droht eine „ePA für wenige” zu werden. Zu dieser Erkenntnis kommt eine repräsentative Befragung der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Die Registrierungsphase sei bereits der kritische Punkt, an dem viele Zugangsversuche der Patientinnen und Patienten scheitere. In Zahlen heißt das: Die ePA ist 87 Prozent der Befragten ein Begriff, aber nur 21 Prozent der potenziellen Nutzerinnen und Nutzer hat überhaupt einen Versuch unternommen, sich in ihrer ePA anzumelden – wovon wiederum die Hälfte scheiterte. Die Anmeldung wurde von gut einem Drittel Anmeldewilligen als frustrierend eingestuft. Ein knappes Drittel der Anmeldewilligen hatte einfach die nötigen Zugangsdaten nicht parat und mehr als 30 Prozent brachen den Anmeldeprozess ab, weil er zu komplex und lang sei. Die Forscher folgern aus den Ergebnissen, dass die Digitalisierung administrative Hürden nicht automatisch beseitigt, sondern sogar neue Formen von Zugangsbarrieren erzeugt.
Quelle: Heise online 

BÄK: Strategiepapier zu Krieg und Krise
Die Politik müsse das Gesundheitswesen resilienter für Krisensituationen wie einen Bündnis- oder Verteidigungsfall machen, fordert die Bundesärztekammer (BÄK) in einem Strategiepapier mit Blick auf das lange schon angekündigte Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG). In dem Papier werden auch Aufgaben ärztlicher Selbstverwaltung definiert. Entscheidend werde sein, die Zuständigkeiten der Vielzahl der im Krisenfall beteiligten Akteure eindeutig zuordnen und koordinieren zu können. Indes sieht die BÄK weiterhin Regelungsbedarf beim Zusammenwirken von Akteuren und Ebenen, bei Versorgung, Ausstattung und Bevorratung sowie Verfügbarkeit des Gesundheitspersonals. Deshalb müsse auf Bundesebene ein Lagezentrum eingerichtet werden, in dem Informationen über Kapazitäten in der Patientenversorgung in Echtzeit sowie hinsichtlich Menge und Standort zusammenlaufen – zur Verfügbarkeit von Personal, Betten, ambulanten Kapazitäten, Sanitätsmittelvorräten, Infektionsgeschehen sowie Tarnsport- und Logistikkapazitäten. Arbeitsteilige Strukturen seien nötig, um Kapazitäten skalierbar zu halten. Quelle: DÄ, BÄK 

SpiFa vs. HÄV: Streit um Primärversorgung
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat in einem Forderungspapier Bedingungen formuliert für die geplante Primärversorgungsreform. Die „Marschroute“ laute: „mehr HZV (Hausarztzentrierte Versorgung), mehr Teamversorgung, mehr Verbindlichkeit“. Die HZV sei strukturell wie finanziell der „Rettungsanker“ für Hausarztpraxen, zugleich sei sie „Innovationsmotor“, gerade im Bereich der Teamversorgung. An der HZV dürfe „in keiner Weise gerüttelt werden“. In puncto Verbindlichkeit heißt es, gebraucht würden „Konsequenzen“ für Patienten, die sich nicht an die „Regeln“ hielten und direkt Facharztpraxen aufsuchten; neben Notfällen sollten Ausnahmen nur für den Gang zum Augenarzt, Gynäkologen und Psychotherapeuten gelten. Kritik kommt vom Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa). Es sei ein „Irrtum“ zu denken, Hausarztpraxen könnten die meisten Patienten behandeln, ohne sie überweisen zu müssen; zwei von drei Behandlungsfällen versorge der Facharzt. Es sei „Realitätsverweigerung“ zu meinen, Hausarztpraxen könnten künftig den überwiegenden Teil der Versorgung fallabschließend übernehmen.  
Quelle: änd, HÄV

Praxistipp der Woche

Praxispartner richtig absichern 

In Verträgen von Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) sind gegenseitige Vertretungszeiten und ergänzende Regelungen im Krankheitsfall/Berufsunfähigkeit oft nur oberflächlich behandelt. In den meisten Fällen ist den Praxispartnern nicht bewusst, dass in manchen Formulierungen existenzielle Risiken schlummern. 

Aus dem Verband

20. Deutscher Verbändekongress: FVDZ gewährt Blick in die „Werkstatt“
Der 20. Deutsche Verbändekongress in Bonn hat vergangene Woche deutlich gemacht: So wie der FVDZ stehen auch alle anderen Verbände in Deutschland vor großen strategischen Herausforderungen. Durch den Generationenwechsel weicht klassisches Ehrenamt projektbezogener und zeitlich flexibler Beteiligung. Gleichzeitig steigt der Konkurrenzdruck durch digitale Netzwerke, Plattformen und freie Initiativen. Auch werden die Gesetzgebungsverfahren komplexer und schneller. Durch die mediale Überflutung wird es schwieriger, in der politischen Debatte und der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus bleibt die Modernisierung eine Aufgabe. Dazu gehören Themen wie KI, Verbandssoftware, CRM-Systeme (analog zum PVS) und digitale Mitgliederkommunikation. Gleichzeitig soll die Wirksamkeit interner Strukturen über Satzungsmodernisierung verbessert werden, während Bürokratie, Inflation und steigende Personalkosten drücken. Der FVDZ führt aktuell ein neues CRM-System ein. Bundesgeschäftsführer Ralf Rausch hat beim Kongress gemeinsam mit dem Softwareanbieter Haus Weilgut den FVDZ als zukunftsgerichteten Verband dargestellt. Der Vortrag war bewusst ein Blick in die „Werkstatt“ und sollte als Basis für den Erfahrungsaustausch zwischen den Verbänden dienen. Gleichzeitig wurden Herausforderungen beleuchtet und die konstruktive Zusammenarbeit im Projekt hervorgehoben.

Aus den Landesverbänden

Sachsen-Anhalt: Praxisteamtag bringt Landesverbände zusammen
Beim Praxisteamtag des FVDZ-Landesverbandes Sachsen-Anhalt in Osterfeld kamen Teilnehmende aus Sachsen-Anhalt und Sachsen zusammen. Als Referent gestaltete Jakob Osada, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt, den Praxisteamtag inhaltlich. Zu Gast waren außerdem Birgit Götzrath, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Thüringen, und Cornelia Otto, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen. Gemeinsam soll die Zusammenarbeit der mitteldeutschen Landesverbände weiter ausgebaut und intensiviert werden. Der nächste Praxisteamtag findet am 5. Dezember 2026 in Nienburg (Saale) statt.

Hessen: Spannende Themen beim Praxisteamtag
Auch der FVDZ-Landesverband Hessen bietet für Chefinnen und Chefs sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am 12. September wieder einen Praxisteamtag an. Die Online-Veranstaltung geht von 9.15 bis 14 Uhr. Themen sind: Konfliktmanagement, Notfallmanagement, Hygieneanforderungen und Effizienzsteigerung in der Zahnarztpraxis durch digitale Prozesse. Teilnehmen können Mitglieder (für 160 Euro), Praxismitarbeiter (130 Euro) und Nichtmitglieder (190 Euro). Anmeldungen unter: wulff@fvdz-hessen.de

Niedersachsen: Kostenlose Fortbildung zu CMD
Zu einer zahnmedizinischen Online-Fortbildung lädt der Landesverband Niedersachsen am 11. November von 18 bis 21 Uhr ein. Dabei geht es um den „Tatort Kiefergelenk – Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD)“. Jan Rustemeyer ordnet Diagnostik und Therapie aus fachübergreifender Sicht ein und steht anschließend für Fragen zur Verfügung. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen sind hier möglich.

Aus der Gesundheitspolitik

FVDZ: Arbeit von Zahnärzten trägt das Gesundheitssystem
Worte haben Macht. Deshalb ist ihr richtiger Gebrauch so wichtig. „Nutznießer“ ist so ein Wort, dessen falscher Gebrauch an der falschen Stelle eine fast explosionsartige Wirkung entfalten kann. Diese bekommt Bundeskanzler Friedrich Merz derzeit aus der Ärzteschaft zu spüren. Er hielt in einer TV-Diskussionsrunde in der vergangenen Woche einer Kinderärztin, die das GKV-Spargesetz und den Kanzler selbst scharf kritisiert hatte, entgegen, dass sie als Ärztin doch auch „Nutznießer des Gesundheitssystems“ sei. Damit zog sich Merz den Zorn der gesamten Ärzte- und Zahnärzteschaft und aller weiteren Heilberufe auf sich. Wenig verwunderlich, wenn man sich die Definition des Wortes und seiner Synonyme anschaut. Laut Duden ist ein Nutznießer eine Person, die den Nutzen von etwas hat oder einen Vorteil aus etwas zieht, was ein anderer erarbeitet hat. Synonym wird das Wort „Schmarotzer“, „Parasit“ und umgangssprachlich auch „Abstauber“ verwendet. Neben vielen anderen Einzelpersonen, Verbänden und Organisationen verwahrte sich der FVDZ ebenfalls gegen die Bezeichnung als „Nutznießer des Gesundheitssystems“: „Zahnärztinnen und Zahnärzte gehören zu denjenigen, die das Gesundheitssystem tragen – durch unsere tägliche Arbeit mit und für unsere Patientinnen und Patienten“, stellte der FVDZ-Bundesvorsitzende Christian Öttl klar. „Ohne diejenigen, die tagtäglich behandeln, Schmerzen lindern, Menschen heilen und auch noch in ihre Praxen investieren, damit dies möglich ist, gäbe es kein funktionierendes Gesundheitssystem.“
Quelle: Tagesspiegel, Bild Zeitung, FVDZ, Duden

FVDZ: Zuckerabgabe klar an Prävention und Versorgung koppeln
Für große Aufregung sorgte in der vergangenen Woche auch ein Eckpunktepapier zur Zuckersteuer aus dem Bundesfinanzministerium. Demnach gehen die Pläne von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) weit über die „gesüßten Erfrischungsgetränke“, die ursprünglich geplant waren, hinaus. Neben Limonaden sollen demnach auch Säfte, Milchgetränke, Eistees, Biermischgetränke und Fertigkaffees mit der Steuer belegt werden. Die ursprünglich in dem Papier benannten zuckerfreien Getränke wie Light- oder Zero-Limonaden sind nach einer Intervention von Klingbeil selbst wieder vom Tisch. Er bezeichnete das Papier als Arbeitsstand – und dieser sei in der Koalition weder diskutiert noch geeint. Mit ihm werde es aber keine Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke geben. Dafür wurde allerdings klar, dass die Steuer bereits 2027 als echte Steuer und nicht als zweckgebundene Abgabe für das kränkelnde Gesundheitswesen kommen soll. Damit sollen im ersten Jahr 650 Millionen Euro in die Staatskasse gespült werden, später dann 450 Millionen pro Jahr. Der FVDZ kritisierte die geplante Besteuerung: „Wenn man eine Abgabe auf Zucker erhebt oder Zucker besteuert, dann sollte sie zum einen dazu dienen, das Verhalten von Produzenten und Konsumenten zu beeinflussen, und zum anderen sollten zusätzliche Einnahmen strikt an Ausgaben zur Prävention, Aufklärung und Versorgung geknüpft sein“, forderte der FVDZ-Bundesvorsitzende Christian Öttl.
Quelle: Tagesspiegel Background, ZDF, FVDZ

Krankschreibung: SPD-Chefin befürchtet mehr Fehltage
Bundesarbeitsministerin und SPD-Chefin Bärbel Bas hat die Pläne der Bundesregierung für eine verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag infrage gestellt. "Meine Sorge ist, dass dann Menschen mit einem leichten Infekt am ersten Tag zum Arzt gehen und aus einem kurzen Ausfall am Ende eine ganze Woche Krankschreibung wird“, sagte sie in einem Interview mit der Funke-Medien-Gruppe. Die SPD habe in dem Gesamtpaket nur zähneknirschend der Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag zugestimmt, „obwohl wir sie inhaltlich für falsch halten“. Die von der CDU gewollten Karenztage oder Kürzung der Lohnfortzahlung seien für die SPD jedoch die schlechteren Alternativen gewesen. Bas‘ Befürchtungen decken sich mit den Ergebnissen einer Umfrage des Sozialverbandes VdK. Es käme vermutlich zu höheren Fehlzeiten als mit der momentan üblichen Regelung der Krankschreibung ab dem dritten Krankheitstag, heißt es dort. Viele Versicherte gaben bei der Befragung an, sie würden sich in dem Fall der Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag vorsorglich für mehrere Tage krankschreiben lassen, um nicht noch einmal zum Arzt zu müssen.
Quelle: Tagesschau, Welt, Tagesspiegel Background

Studie: Welche Erfahrungen haben Sie mit Unterkieferprotrusionsschienen
Die Erfahrungen, Kenntnisse und Einschätzungen von Zahnärztinnen und Zahnärzten im Behandlungsgebiet mit Unterkieferprotrusionsschienen stehen im Fokus einer Studie, die im Rahmen einer Promotion am Zentrum für Schlaf- und Telemedizin der Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen durchgeführt wird. Derzeit läuft eine Befragung zum Thema Bauartwahl von Unterkieferprotrusionsschienen.
Hierfür werden freiwillige Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht. Die Bearbeitung des Online-Fragebogens nimmt nur wenige Minuten in Anspruch. Die Teilnahme und die erhobenen Daten werden anonym und vertraulich behandelt. Zur Befragung geht es hier.

Praxistipp der Woche

Die Rente der ZFA stützen
Aufgrund der volatilen Zeiten an den Finanzmärkten rückt die Altersvorsorge verstärkt in den Fokus. Ein diversifiziertes
Portfolio ist gefragt. Aber wie schaut es bei den eigenen Mitarbeitern aus?

FVDZ Newsletter

E-Paper JETZT ABONNIEREN

E-Paper „Der Freie Zahnarzt“

E-Paper JETZT LESEN

FVDZ-APP

E-Paper ZUR APP

FVDZ-Shop

E-Paper ZUM SHOP

Praxishandbuch

E-Paper JETZT BESTELLEN