Notbremse für das eRezept

FVDZ fordert TI-Moratorium für weitere Anwendungen

Digitalisierung ja – aber nicht um jeden Preis: Dieser Erkenntnis folgend begrüßt der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) die Entscheidung der neuen Führung des Bundesgesundheitsministeriums, die flächendeckende Einführung des eRezeptes zunächst auf Eis zu legen. „Die Verlängerung der Testphase ist eine ausgesprochen vernünftige Entscheidung“, sagte der FVDZ-Bundesvorsitzende Harald Schrader. „Der Digitalisierungsdruck in den Praxen ist hoch, aber die meisten Anwendungen laufen nicht störungsfrei. Es wäre also fahrlässig, jetzt Anwendungen und Komponenten verpflichtend einzuführen, die nicht ausreichend im Einsatz getestet wurden.“

Schrader sprach sich erneut für ein Moratorium der Telematikinfrastruktur (TI) aus, wie dies der diesjährige Deutsche Ärztetag von der gematik gefordert hat. Der FVDZ hatte sich dieser Forderung angeschlossen. Der vorherige Gesundheitsminister Jens Spahn habe ein erhebliches Tempo bei der Einführung von TI-Anwendungen vorgelegt, „allerdings ohne Rücksicht auf Praxistauglichkeit und Nutzen“, kritisierte der FVDZ-Bundesvorsitzende. Er sei froh, dass dieser Kurs nun korrigiert werde.

„Weitere Fehlentwicklungen bei der Digitalisierung können wir uns im Gesundheitswesen nicht erlauben“, sagte Schrader. Derzeit arbeiteten alle in den Praxen oberhalb ihrer Belastungsgrenze. Es sei nun wichtig, keine weiteren, nicht ausreichend getesteten Komponenten der TI einzuführen, weil die Belastungen damit noch weiter steigen würden. „Unausgereifte Lösungen, die zu Problemen mit Praxissoftware, Schnittstellen und Patienten führen und damit das gesamte Digitalisierungsprojekt in Verruf bringen, hatten wir genug“, betonte Schrader. „Erst wenn die Systeme stabil laufen, praktikabel zu handhaben sind und einen tatsächlichen Nutzen für Patienten und Praxen haben, sollte ein flächendeckender Rollout kommen.“

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