HV - 2014: 01 - Resolution

Wortlaut des Antrages:

Die Hauptversammlung des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) fordert die Bun­desregierung auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die hochwertige und wohnortnahe zahnmedizinische Versorgung in Deutschland für zukünftige Generationen zu sichern:

 

1. Freiberufliche Versorgungsstrukturen stärken

Die selbstständig geführte Zahnarztpraxis ist die Grundlage für die qualitativ hochwertige, flächen­deckende zahnmedizi­nische Versorgung. Durch die freiberufliche Versorgungsstruktur haben Patienten selbst in struktur­schwachen Regio­nen die Möglichkeit, zeit- und wohnortnah einen Zahnarzt aufzusuchen. Zentralisierungsprozesse durch den Ausbau von MVZ-Strukturen dagegen gefähr­den die patientenorientierte Versorgungslage im Bereich der Zahnmedizin und widersprechen dem Bekenntnis der Regierung zur Freiberuflichkeit. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte lehnt zahnärztliche Versorgungsstrukturen im Fremdbesitz ab.

 

2. Therapiefreiheit wiederherstellen

Nur der Zahnarzt ist durch sein Fachwissen befähigt, den Patienten zu beraten und mit ihm gemeinsam die geeignete Thera­pie festzulegen. Es ist eine Fehlentwicklung, dass fachfremde Dritte wie der Gesetzgeber oder die Kostenträger zunehmenden Einfluss auf die Therapieentscheidung nehmen. Politische oder wirtschaftliche Interessen dürfen nicht über dem Patientenwohl stehen. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte spricht sich für eine freie Zahnarzt-Patienten-Beziehung ohne Fremdeinfluss aus.

 

3. Prämienmodell Zahnmedizin

Der FVDZ bekennt sich weiterhin zum „Prämienmodell Zahnmedizin“. Er fordert die Körperschaften auf, sich gemeinsam mit dem FVDZ bei der Politik für ein Pilotprojekt „Prämienmodell Zahnmedizin“ einzusetzen.

 

4. Bürokratie abbauen und Kosten ausgleichen

Der Verwaltungsaufwand in den Zahnarztpraxen bindet unverhältnismäßig viel Zeit und Ressourcen ohne adäquaten Nutzen für die zahnmedizinische Versorgung der Patienten. Verwaltungs­aufga­ben dürfen nicht belie­big auf Kosten der Zahnarztpraxen ausgeweitet werden. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte fordert, diese Ent­wicklung zu stoppen, büro­kratische Hür­den abzubauen und Verwaltungsprozesse zu verschlanken. Behandlungsunabhängige Bereitstellungskosten (u.a. Kosten für Verwaltung, Qualitätsmanagement, Dokumentation) sind angemessen (gemäß BGB) zu entgelten.

 

5. Datenschutz gewährleisten

Patien­tendaten sind äußerst sensible Daten. Sie unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und müssen ge­schützt werden. Der Schutz der Patientendaten ist höher zu bewerten als das ökonomische Interesse der Krankenkassen. Der Gesetzgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass die Datenhoheit der Patienten gewahrt bleibt.

 

6. Aufgabenteilung einhalten: Delegation ja. Substitution nein.

Die Delegation von Leistungen an das Assistenzpersonal verantwortet der Zahnarzt. Welche Tätigkeiten Zahnärzte an wen delegie­ren können, ist im Zahnheilkundegesetz (§ 1 Absatz 5 und 6) geregelt. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Einführung der Substitution ärztlicher Leistungen konterkariert den Patientenschutz und führt zur Billigmedizin. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte fordert die Beibehaltung der im Zahnheilkundegesetz vorgesehenen Regelungen.

 

7. Approbationsordnung modernisieren

Die zahnmedizinische Ausbildung wird in der Approbationsordnung aus dem Jahr 1955 geregelt. Die Zahnheilkunde ist komplex und hat sich aufgrund des medizinischen und technischen Fortschrittes in den letzten Jahren stark verändert. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte fordert die Modernisierung der Approbationsordnung. Die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten in der Zahntechnik sind integraler Bestandteil der zahnmedizinischen Ausbildung und in der Approbationsordnung beizubehalten.

 

8. Universitäre Ausbildung sicherstellen

Nur durch eine qualitativ hochwertige Forschung und Lehre bleibt die Zahnheilkunde in Deutschland auf ihrem anerkannt hohen Niveau. Um die flächendeckende zahnmedizinische Versorgung zu sichern, müssen genügend qualifizierte Studienplätze und Lehrpersonal zur Verfügung stehen. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte fordert, bestehende Fakultäten in erforderlichem Umfang zu erhalten und zu fördern.