FVDZ aktuell vom 27.06.2017

Unsere Themen in dieser Ausgabe:

 

  • Allianz für Gesundheitskompetenz: 14 Partner zur Stärkung des Gesundheitswissens
  • PKV-Jahrestagung: „Radikale Reformen braucht niemand“
  • Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit: Gröhe fordert mehr Zusammenarbeit
  • Medizinklimaindex: Zahnärzte bleiben optimistisch
  • Kinderspielzeug: Stressabbau mit Fidget-Spinnern

 

Aus der Gesundheits- und Berufspolitik:

Allianz für Gesundheitskompetenz: 14 Partner zur Stärkung des Gesundheitswissens

Mit dem Wissen um die eigene Gesundheit steht es in Deutschland offenbar nicht zum Besten. Deshalb hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit 14 Organisationen und Körperschaften aus dem Gesundheitswesen eine „Allianz für Gesundheitskompetenz“ geschlossen. Im Mittelpunkt der Allianz soll die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten stehen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe mahnte dringend „mehr verständliche Gesundheitsinformationen“ an. „Es ist nicht immer einfach, im Dickicht der oft unverständlichen Gesundheitsinformationen den Durchblick zu bewahren“, sagte er bei der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung vergangene Woche in Berlin.

Laut einer aktuellen Studie verfügten mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland (rund 54 Prozent) nur über eine „eingeschränkte Gesundheitskompetenz“, teilte das BMG mit. Dies wirke sich nicht nur auf richtige Entscheidungen zu gesunder Lebensweise und Krankheitsbewältigung aus, sondern auch wirtschaftlich. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO werden drei bis fünf Prozent der Gesundheitsausgaben durch unzureichende Gesundheitskompetenz verursacht. Für Deutschland bedeutet dies laut BMG neun bis 15 Milliarden Euro. Auch die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die Bundeszahnärztekammer haben die gemeinsame Erklärung zur Allianz für Gesundheitskompetenz mit unterzeichnet. Die Aktivitäten dienten einer Gesamtstrategie der Vertragszahnärzteschaft zur Verbesserung der Mundgesundheitskompetenz, hieß es von der KZBV, die nach eigenen Angaben ihre Aktivitäten in diesem Bereich neu bündelt und vertieft. Die BZÄK verwies auf die notwendige aktive Mitarbeit der Patienten. Diese könne allerdings nur durch umfassende Aufklärung und Information gelingen.

Der Bundesvorsitzende des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ), Harald Schrader, bewertet die Allianz positiv, allerdings müsse sie noch mit Leben gefüllt werden. „Die Initiative zeigt aber auch, wie wichtig es ist, die Verantwortung für eine Therapieentscheidung wieder weitgehend in die Praxis zu verlegen und dem Patienten mehr Eigenverantwortung für seine (Mund-)Gesundheit zuzutrauen“, sagte Schrader. Das vom FVDZ entwickelte Modell zur Patientensouveränität könne gerade im Bereich der Zahnheilkunde beispielhaft angewendet werden, denn es setze auf Information, individuelle Beratung und individuelle Prophylaxe- oder Behandlungslösungen. „Mehr gesundheitliche Kompetenz macht unsere Patienten zu eigenverantwortlichen Patienten“, betont Schrader.

Quellen: BMG, BZÄK, KZBV 

 

PKV Jahrestagung: „Radikale Reformen braucht niemand“

Erwartungsgemäß stand bei der diesjährigen Jahrestagung des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV) die nach der Bundestagswahl drohende Einführung einer Bürgerversicherung im Mittelpunkt. „Einheits- und Zwangssysteme haben sich schon immer zum Schaden der Menschen herausgestellt“, sagte der PKV-Vorsitzende Uwe Laue. „Für die Bürger wäre diese Einheitspolitik eine bittere Pille.“ Eine Einheitsversicherung führe erst zu einer Zwei-Klassen-Medizin, wie sie heute beklagt wird, mahnte Laue. Im europäischen Vergleich nehme das deutsche Gesundheitssystem mit seinem Nebeneinander von GKV und PKV in Fragen der Versorgungsgerechtigkeit heute jedoch einen Spitzenplatz ein. Zudem sei die PKV ein wichtiger Treiber für die Einführung innovativer Verfahren. „Radikale Reformen an einem funktionierenden System braucht niemand“, betonte Laue. „Dies wäre wie die Operation am offenen Herzen eines gesunden Patienten.“ Er warnte vor ideologisch rückwärtsgewandter Politik, anstatt die eigentlichen Zukunftsthemen in der Gesundheitspolitik in Angriff zu nehmen. Auch der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, und der Bundesvorsitzende des Beamten Bundes, Klaus Dauderstädt, setzten sich stark für den Erhalt der PKV ein. „Die Arbeitgeberverbände stehen klar zum dualen System in der Gesundheitsversorgung“, betonte Kampeter und warnte vor steigenden Lohnnebenkosten für besserverdienende Angestellte, wenn die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung falle. Dauderstädt betonte die wichtige Funktion der PKV für die Beamtenschaft als zusätzliche Absicherung zur Beihilfe. Ausgesprochen kritisch gegenüber der Bürgerversicherung zeigte sich auch der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery: „Die Einheitsversicherung verwechselt Gleichheit auf niedrigem Niveau mit Gerechtigkeit.“

sas

 

Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit: Gröhe fordert mehr Zusammenarbeit

Mehr Teambewusstsein im deutschen Gesundheitswesen hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vergangene Woche auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin gefordert. Er rief die Leistungserbringer auf, intensiver zu kooperieren. Das Gesundheitswesen müsse sich daran orientieren, „dass aus den vielen, guten, ja Spitzenleistungen des deutschen Gesundheitswesens eine Mannschaftsleistung wird“, sagte Gröhe bei der Eröffnung des dreitägigen Kongresses. Der Minister betonte, alle Gesetze der ablaufenden Legislaturperiode hätten im Kern der Vernetzung gedient. So sei der mit dem Versorgungsstärkungsgesetz eingerichtete Innovationsfonds geschaffen worden, „damit statt Mauern Brücken zwischen den Sektoren gebaut werden.“ Ziel sei „Vernetzung durch sektorübergreifende Versorgung.“

Aber auch die Zusammenarbeit zwischen Spezialkliniken und regionalen Krankenhäusern gehöre dazu. Durch digitale Vernetzung müsse künftig jeder Regelversorger in der Lage sein, das Wissen der Spitzenmedizin von einem Maximalversorger abzurufen, wobei „dann dank Telemedizin egal ist, wie weit er entfernt ist.“ Gröhe kritisierte die langsame Umsetzung solcher Zusammenarbeit in Deutschland: „Ich bedaure, dass das Thema Digitalisierung sehr zögerlich angegangen wird“, so der Minister wörtlich.

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit fand zum 20. Mal statt. An dem Kongress mit zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden nahmen mehr als 8.000 Vertreter aus Politik, Verbänden, Gesundheitswirtschaft und -management, Versicherungen, Wissenschaft, Medizin und Pflege teil. Das Motto lautete: „Qualität und nachhaltige Finanzierung“.

Quelle: WISO S. E. Consulting GmbH

 

Medizinklimaindex: Zahnärzte bleiben optimistisch

Laut der aktuellen Umfrage „Medizinklimaindex Frühjahr 2017“ schätzen Zahnärzte ihre wirtschaftliche Lage positiver ein als ihre ärztlichen Kollegen. Im Auftrag der Stiftung Gesundheit befragt die Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse mbH (GGMA) seit 2006 halbjährlich niedergelassene Ärzte, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeuten. 44,4 Prozent der befragten Zahnärzte bezeichnen ihre aktuelle Lage als gut, 33,3 Prozent schätzen sie als stabil ein. 22,2 Prozent antworten, ihre Lage sei aktuell schlecht. Bei den Fachärzten schätzen nur 25,4 Prozent die aktuelle Situation als gut ein, 57,7 Prozent finden sie stabil und 16,9 Prozent schlecht. Am pessimistischsten sehen die Psychologischen Psychotherapeuten die wirtschaftliche Lage: Nur 13,5 Prozent beurteilen sie als gut und 24,3 Prozent stufen sie als schlecht ein.

11,1 Prozent der befragten Zahnärzte antworten, dass sich die wirtschaftliche Lage in den kommenden sechs Monaten verbessern wird. Zwei Drittel (66,7 Prozent) gehen von keiner Veränderung aus, 22,2 Prozent glauben, es werde eine Verschlechterung der Lage geben. Der Medizinklimaindex der Zahnärzte liegt damit bei +5,6.

Quellen: ZM, Stiftung Gesundheit

 

Zu guter Letzt:

Kinderspielzeug: Stressabbau mit Fidget-Spinnern

Fidget-Spinner, was ist das? Wer sich das fragt, hat vermutlich keinen Nachwuchs. Denn aktuell sind die bunten Dreh-Spielzeuge so angesagt, dass fast jedes Kind einen hat und damit Eltern oder Lehrern auf die Nerven geht. Anstatt genervt zu sein, sollten die Erwachsenen diesen Trend einfach mal selbst ausprobieren. Das kleine Plastik-Teil eignet sich perfekt für eine kleine Pause zwischendurch. Die Konzentration wird gestärkt, und man kommt ein wenig runter. Das Forbes-Magazin hat Fidget-Spinner sogar zum Must-Have-Büro-Spielzeug 2017 erklärt. Wer möchte, kann aber auch einfach kurz aus dem Fenster schauen…

Quelle: WDR online