FVDZ aktuell vom 23.05.2017

 Unsere Themen in dieser Ausgabe:

  • FVDZ-Bezirksgruppentreffen: Politisch gut aufgestellt für die heiße Wahlkampfphase
  • Frühjahrsfest der KZBV und BZÄK: Gröhe verspricht neue Approbationsordnung
  • GKV:  Monatliche Belastung durch Zuzahlung bei 4,52 Euro pro Kopf
  • Medizinklimaindex: Optimistischere Stimmung unter den Niedergelassenen

Aus dem Verband:

FVDZ-Bezirksgruppentreffen: Politisch gut aufgestellt für die heiße Wahlkampfphase

Mit neuem politischen Schwung will der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) in die gesundheitspolitische Diskussion im Bundestagswahlkampf einsteigen. Darauf verständigten sich die Vorsitzenden der FVDZ-Bezirksgruppen und der FVDZ-Bundesvorstand am vergangenen Wochenende bei ihrer jährlichen Tagung in Frankfurt am Main. Die Delegierten diskutierten eingehend über das neue Modell zur Stärkung der Patientensouveränität, das im neuen Grundsatzprogramm des Freien Verbandes verankert ist.
Günter Neubauer, Direktor des Münchener Instituts für Gesundheitsökonomik, der die Entwicklung des Modells, das einen Gegenentwurf zur Bürgerversicherung bildet, wissenschaftlich begleitet, erläuterte den Bezirksgruppenvorsitzenden die Details der Modellidee. „Für uns ist das eine Strategie gegen eine kollektive Gesundheitsbeglückung der Patienten“, machte der FVDZ-Bundesvorsitzende Harald Schrader im Anschluss deutlich. „Wir rücken das Individuum und eine individuelle, selbstbestimmte Behandlung wieder in den Mittelpunkt.“ Das Modell zur Stärkung der Patientensouveränität sei „ein Prozess, der einen gesellschaftspolitischen Wandel anstoßen kann“, sagte Schrader. „Dabei müssen wir alle mitnehmen, auch die Körperschaften, denn was wir für unsere Arbeit brauchen, ist Gestaltungsspielraum – vor allem bei der Behandlung unserer Patienten.“ Therapieentscheidungen müssten dort getroffen werden, wo sie hingehören: in der Praxis im Gespräch zwischen Zahnarzt und Patient.
Schrader rief die Bezirksgruppenvorsitzenden auf, die Modellidee in ihre Gruppen vor Ort zu tragen und zu diskutieren. Und noch einen Auftrag erhielten die Bezirksgruppen: „Mischen Sie sich in den Bundestagswahlkampf ein, gehen Sie zu Ihren Abgeordneten im Wahlkreis, die wiedergewählt werden wollen oder laden Sie sie in die Praxis ein.“ Denn nirgends könnten die Interessen und Angebote des Verbandes deutlicher gemacht werden als im persönlichen Gespräch. „Und dazu sind wir gut aufgestellt“, betonte Schrader.
In die politische Aufbruchstimmung reihte sich die Vorstellung des neuen Nachwuchsförderprogrammes ein. FVDZ-Geschäftsführer Heinrich Bolz erläuterte das Pilotprojekt, das Anfang 2018 starten soll. Geplant sind zwölf Seminare, die junge Zahnärzte fit machen sollen in allen Bereichen rund um die Praxisführung. Gewonnen werden konnten für die Veranstaltungen Referenten, die entweder aus dem Verband kommen oder bereits auf Kongressen und anderen Fortbildungen für den FVDZ tätig sind. „Unsere Kernkompetenz ist Praxis, wer könnte das besser als wir selbst“, sagte der FVDZ-Bundesvorsitzende Schrader zu dem Konzept.
Nach reichlich Input über anderthalb Tage hinweg und konstruktiven Diskussionen rund um die Themen, die derzeit den Verband bewegen, zogen die Teilnehmer ein ausgesprochen positives Fazit: „Endlich geht der Verband in die richtige Richtung“, fasste einer der Teilnehmer zusammen.
sas

Aus der Gesundheits- und Berufspolitik:

Frühjahrsfest der KZBV und BZÄK: Gröhe verspricht neue Approbationsordnung

Vor Wahlen versprechen Politiker gerne vieles. Doch was Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in der vergangenen Woche auf dem Frühjahrsfest der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) sagte, klang wirklich vielversprechend. Er kündigte an, dass die Novelle der Approbationsordnung für Zahnärzte (AOZ) noch in dieser Legislaturperiode kommt. „Wir sind fest entschlossen zu einer neuen AOZ“, sagte der Minister in der Britischen Botschaft vor zahlreichen Gästen aus Politik, Zahnärzteschaft, Wissenschaft und Verbänden.
Auch lobte Gröhe die Gastgeber: Die Politik schätze die Selbstverwaltung sehr und nehme deren Anregungen zur Verbesserung der Gesundheit gerne auf. Was das auch in der Zahnärzteschaft stark kritisierte Selbstverwaltungsstärkungsgesetz betrifft, versuchte Gröhe, die Wogen zu glätten. „Wir haben Ihre Kritik sehr ernst genommen und abgewogen. Es wird die Grenze zur Fachaufsicht nicht überschritten.“
Das sehen einige allerdings anders. Der KZBV-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Eßer hatte den Minister bei der Begrüßung aufgefordert: „Geben Sie uns die Selbstverwaltung zurück, die wir brauchen.“
Sonst waren sich die Redner jedoch einig, dass die Zahnärzte viele Erfolge zu verbuchen haben und auf einem sehr guten Weg sind. BZÄK-Präsident Peter Engel zog eine positive Bilanz: Wir haben in dieser Legislaturperiode viel vorangebracht. Lassen Sie uns gemeinsam die Stärken des Systems ausbauen.“
mf

 

GKV:  Monatliche Belastung durch Zuzahlung bei 4,52 Euro pro Kopf

Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben im vergangenen Jahr 3,870 Milliarden Euro für Zuzahlungen aufgebracht. Den größten Anteil hatten Arznei-, Verband- und Heilmittel mit 2,176 Milliarden Euro. Auf die Gesamtzahl der GKV-Versicherten in Deutschland gerechnet, betrug die monatliche Belastung je Versicherten für Zuzahlungen 4,52 Euro. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke im Bundestag hervor. Demnach gaben GKV-Versicherte im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro mehr für Zuzahlungen aus als noch 2015. Innerhalb von sechs Jahren stiegen die Zuzahlungen der GKV-Versicherten um rund 800 Millionen Euro an.
Außerdem gibt die Regierung Auskunft über Zuzahlungen, die über die gesetzliche Zuzahlung hinaus von Versicherten gezahlt werden. Für die Zahnmedizin legt die Bundesregierung ausführlich das Festzuschusssystem dar. Der Festzuschuss decke im Regelfall 50 Prozent, bei einem über fünf beziehungsweise zehn Jahre geführten Bonusheft 60 beziehungsweise 65 Prozent der Kosten der Regelversorgung ab. Die verbleibenden Prozent trage der Versicherte selbst. Darüber hinaus wird auf die Mehrkostenregelung bei Zahnfüllungen verwiesen. Wie aus der Antwort hervorgeht, sind die GKV-Ausgaben für Zahnersatz rückläufig. Während die Kassen 2003 rund 3,8 Milliarden Euro für Zahnersatz ausgaben, waren es 2016 3,3 Milliarden Euro
Quelle: Deutscher Bundestag

Für den Freien Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) hat die Mitbestimmung des Patienten über Art und Umfang der zahnärztlichen Leistung höchste Priorität. Dafür muss aus Sicht des FVDZ der Spielraum in der Vertragsgestaltung deutlich erweitert werden. „Die aktuellen Festlegungen im Sozialgesetzbuch V engen Zahnarzt und Patient in der Vertragsgestaltung ein. Der Freie Verband fordert die Aufhebung des Zuzahlungsverbots. So kann der Zahnarzt seinen Patienten jederzeit eine alternative oder höherwertige Behandlung anbieten, ohne dass der Patient Anspruch auf die Kernleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung verliert“, machte der FVDZ-Bundesvorsitzende Harald Schrader deutlich. Das Zuzahlungssystem für höherwertige Leistungen habe sich in den dafür bereits geöffneten Bereichen bewährt und werde von den Patienten angenommen. „Unsere Forderung zur Öffnung des gesetzlichen Leistungskatalog BEMA ist ein Baustein auf dem Zukunftsweg Zahnheilkunde, den wir aktuell in Gesprächen an die Politik herantragen“, sagte Schrader.  

 

Medizinklimaindex: Optimistischere Stimmung unter den Niedergelassenen

Im Frühjahr dieses Jahres haben Humanmediziner, Fachärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten in einer berufsübergreifenden Statistik einen optimistischeren Blick auf ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als noch im Herbst 2016. Dies geht aus dem aktuellen Medizinklimaindex (MKI) hervor, den die Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse halbjährlich im Auftrag der Stiftung Gesundheit erhebt.
Demnach lag der MKI im Frühjahr 2017 bei minus 2,7. Im Vergleich dazu vermeldete die Stiftung Gesundheit im Herbst vergangenen Jahres noch einen MKI von minus 3,7. Gründe für die Verbesserung werden nicht erfragt. Allerdings zeigen die Umfragen aus den vergangenen sechs Jahres, dass die Stimmung im Frühjahr tendenziell positiver ist als im Herbst.
Zwischen den Gruppen der Niedergelassenen gibt es deutliche Unterschiede. Vor allem dank Zahnärzten und Hausärzten fällt das Ergebnis positiver aus. Der MKI der Hausärzte liegt bei plus 6,3 und Zahnärzte haben einen Wert von plus 5,6. Dagegen liegen Fachärzte und Psychotherapeuten im negativen Bereich (minus 7,2 bzw. minus 18,9). Wie aus der MKI-Statistik hervorgeht, bewerten rund 44 Prozent der Zahnärzte ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut. Etwa ein Drittel der Befragten stufen ihre Situation als stabil ein. Lediglich 22 Prozent der Zahnärzte bezeichnen ihre Situation als schlecht. Rund 67 Prozent erwarten in den nächsten sechs Monaten Kontinuität. Während elf Prozent der befragten Zahnärzte im nächsten halben Jahr sogar mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage rechnen, fallen die Zukunftsprognosen der anderen Arztgruppen deutlich verhaltener aus. Unter den Psychotherapeuten rechnen lediglich drei Prozent mit einer Verbesserung. Bei den Fachärzten erwarten sieben Prozent eine gute Entwicklung und bei den Hausärzten sind es etwa sechs Prozent.
Quelle: Stiftung Gesundheit