FVDZ aktuell vom 05.12.2017

Unsere Themen in dieser Ausgabe:

  • Erneute Diskussion um Bürgerversicherung
  • BKK-Studie: Digitalisierung belastet die Gesundheit
  • Neue Kooperationsformen: Arztnetze verbessern regionale Gesundheitsversorgung
  • Krankenkassen verfehlen Zielvorgaben des Präventionsgesetzes
  • Zahl der Malariaerkrankungen steigt wieder
  • Zu guter Letzt: Kinder und Zähneputzen: Fast die Hälfte lügt

 

Aus der Gesundheits- und Berufspolitik:

Erneute Diskussion um Bürgerversicherung

Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen und vor einer möglichen Wiederauflage der Großen Koalition ist die Diskussion um die Bürgerversicherung neu entbrannt. Der SPD-Gesundheitsexperte und Fraktionsvize Karl Lauterbach nannte die Bürgerversicherung ein „zentrales Anliegen“. Die SPD wolle „eine Bürgerversicherung mit einem gemeinsamen Versicherungsmarkt ohne Zwei-Klassen-Medizin“, neben den gesetzlich Versicherten sollen auch Beamte, Selbstständige und Angestellte mit hohem Einkommen einbezogen werden. Privatversicherte sollen die Wahl haben, ob sie in die Bürgerversicherung wechseln wollen. Politiker der CDU erteilten den Plänen eine Absage. Auch Ärzte sowie Ärzteverbände lehnen den Vorstoß der Sozialdemokraten einhellig ab. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) erklärte: „Wir wollen keine Rationierung, keine Wartezeiten und keine Begrenzung der Leistungskataloge wie in den Einheitssystemen der Niederlande oder Großbritannien.“ Die vermeintlich gerechtere Alternative zum dualen Krankenversicherungssystem sei der direkte Weg in die Zwei-Klassen-Medizin.
Quelle: Ärzteblatt

 

BKK-Studie: Digitalisierung belastet die Gesundheit

Die Digitalisierung ist auch aus der Arbeitswelt heute nicht mehr wegzudenken. Doch so hilfreich Smartphone und Co. für eine schnelle Kommunikation auch sind, so belastend kann die ständige Erreichbarkeit sein. Diese Entwicklung haben die Betriebskrankenkassen (BKK) in ihrem jährlichen Gesundheitsreport festgehalten, der am vergangenen Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. „Die ständige Erreichbarkeit ist ein zweischneidiges Schwert“, sagte Professor Jan Dettmers von der Medical School Hamburg, der einer der Herausgeber des BKK Gesundheitsreports 2017 ist. Die Digitalisierung im Arbeitsleben eröffne viele Freiheiten, verwische aber auch die Grenzen zwischen Job und Freizeit. „Die Erwartungshaltung der Beschäftigten, dass auch außerhalb der Dienstzeit noch ein Arbeitsauftrag hereinkommt, stört den Erholungseffekt“, erklärte Dettmers. Kein Wunder also, dass eine Umfrage des BKK-Dachverbandes unter 3.000 Beschäftigten ergeben hat, dass die Menschen die Digitalisierung eher als Belastung denn als Entlastung sehen. Zwar räumten mehr als 40 Prozent ein, dass sie durch die Digitalisierung schneller und effektiver arbeiten. Aber jeder Fünfte fühlt sich dadurch überlastet oder gar ausgebrannt. Und knapp 30 Prozent gaben an, ihre Aufgaben auch außerhalb der regulären Arbeitszeit zu erledigen. Die Folge: emotionale Erschöpfung, schlechter Schlaf und Abwesenheit. Dem kann laut Studie leicht ein Riegel vorgeschoben werden. Vorgeschlagen werden eindeutige Kommunikationsregeln. Zum Beispiel, indem nach Feierabend und am Wochenende Anrufe oder E-Mails vermieden werden. „Betriebe müssen sich verstärkt auf die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter fokussieren“, forderte Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbandes.
mf

 

Neue Kooperationsformen: Arztnetze verbessern regionale Gesundheitsversorgung

Im Gesundheitsbereich ist einiges in Bewegung gekommen in den vergangenen Jahren. Besonders im Fokus: neue Kooperationsformen von Praxen. Über die Chancen und Aufgaben von Arztnetzen sprachen in diesem Zusammenhang Bundestagsabgeordnete und Vertreter der Agentur Deutscher Arztnetze in der vergangenen Woche in Berlin. Regionale Arztnetze sind Zusammenschlüsse von Ärzten, um zum einen durch die Zusammenarbeit eine qualitativ bessere Versorgung von Patienten zu erreichen, zum anderen aber auch um die eigene berufliche und wirtschaftliche Situation von Einzelpraxen zu optimieren und den demografischen Entwicklungen anzupassen. Bernhard Gibis, Leiter des Geschäftsbereichs „Sicherstellung und Versorgungsstruktur“ bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), berichtete bei der Podiumsdiskussion von einem „raschen Aufschwung der Arztnetze“, die seit 2013 bei diversen Kassenärztlichen Vereinigungen anerkannt und nach dem Fünften Sozialgesetzbuch förderfähig sind. Rund 7.500 Ärzte arbeiten demnach deutschlandweit in solchen regionalen Netzen. Der Vorstandsvorsitzende der Agentur Deutscher Arztnetze, Veit Wambach, betonte die Rolle der niedergelassenen Ärzte. Auch in der Abgrenzung zu Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) machte er deutlich: „Die ärztliche Leitung der Praxisnetze ist selbstverständlich, Kapitalinteressen dürfen niemals bestimmend sein.“ Für Drittinteressen habe Freiberuflichkeit keinen Platz.
In der anschließenden Diskussion sprachen Vertreter von CDU/CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Linke über die zukünftigen Herausforderungen von guter Patientenversorgung und betonten einhellig, dass ärztliche Kooperation gerade in ländlichen Gebieten dringend notwendig sei. Die Politik könne dazu allerdings nur die Rahmenbedingungen und Leitplanken einziehen, betonten die Bundestagsabgeordneten aller Couleur. Die Selbstgestaltungskraft der Selbstverwaltung sei gefragt, sagte Georg Kippels (CDU).
sas 

 

Krankenkassen verfehlen Zielvorgaben des Präventionsgesetzes

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr knapp 500 Millionen Euro ausgegeben. Pro Versichertem haben die Kassen laut Präventionsbericht 6,64 Euro ausgegeben. Damit erreichten sie nicht die Vorgaben des Präventionsgesetzes, welches sieben Euro pro Versicherten vorschreibt. Vor allem bei Gesundheitsförderung sowie Prävention in Lebenswelten konnten die Kassen den Zielwert der Kassen nicht erreichen.
Quelle: Ärzte Zeitung

 

Zahl der Malariaerkrankungen steigt wieder

Der Kampf gegen Malaria ist wieder ins Stocken geraten. Im Jahr 2016 haben 91 Länder 216 Millionen Malariafälle gemeldet. Zum Vergleich: 2015 gab es 211 Millionen Fälle. Die Zahl der Todesfälle lag unverändert bei 440.000. Die WHO fordert neue Ansätze und mehr Geld, um die Krankheit einzudämmen. Es werden jährlich 6,5 Milliarden US-Dollar benötigt; 2016 wurden aber lediglich 2,7 Milliarden US-Dollar bereitgestellt.
Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), forderte neben Investitionen in bestehende Diagnostika, Impfstoffe und Medikamente, auch finanzielle Mittel für die Forschung und Entwicklung neuer Instrumente.
Quelle: Ärzte Zeitung

 

Zu guter Letzt:

Kinder und Zähneputzen: Fast die Hälfte lügt

Die lieben Kleinen sind offenbar erfinderisch, was das Vermeiden des Zähneputzens angeht. In England zum Beispiel macht rund ein Fünftel der Kinder die Zahnbürste nass, als wäre sie in Gebrauch gewesen, nur, um die Eltern zu täuschen, schreibt ZWP online. Und 48 Prozent der Kids schwindeln laut einer Untersuchung des britischen Dental-Unternehmens Brushlink, wenn sie unbeaufsichtigt der Mundhygiene nachgehen. Das ist ein hausgemachtes Problem, denn wie die Untersuchung auch ergab, beaufsichtigten 13 Prozent der Eltern ihre Kinder nie beim Zähneputzen. Lediglich ein Drittel der Eltern tue dies zweimal täglich.
Da Kinder erst mit dem Schulalter die motorischen Fähigkeiten für die richtige Putztechnik entwickeln, sollten Eltern bis ins Schulalter hinein das Zähneputzen, inklusive eventuellem Nachputzen, beaufsichtigen. Sonst kann mangelnde Mundhygiene fatale Folgen haben: In England musste zwischen April 2016 und März 2017 doppelt so viele Kinder aufgrund von Karies im Krankenhaus behandelt werden wie aufgrund eines gebrochenen Arms, wie Forscher des Royal College of Surgeons of England herausgefunden haben. Auch wenn es heutzutage Apps gegen das Vergessen oder bunte elektrische Zahnbürsten zur Unterhaltung während des Zähneputzens gibt, sollten vielleicht die Eltern einfach mit gutem Beispiel vorangehen und zusammen mit ihren Kindern Zähne putzen.
Quelle: ZWP online/mar