FVDZ-Presseseminar am 30. Januar 2015 in Berlin

Einzelpraxis ist ein Erfolgsmodell – Zentralisierung gefährdet wohnortnahe Patientenversorgung

„Die Einzelpraxis ist ein Erfolgsmodell. Wir Freiberufler sichern in unseren Praxen die wohnortnahe Patientenversorgung in unserem Land. Wir stehen für Therapiefreiheit und eigenverantwortliches Arbeiten und setzen uns für die freie Arzt- und Zahnarztwahl ein“, erklärt die Bundesvorsitzende Kerstin Blaschke am 30. Januar 2015 beim Presseseminar des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) in Berlin. Mit Blick auf die im Versorgungsstärkungsgesetz verankerte Förderung medizinischer Versorgungszentren stellt Blaschke fest: „Die bewährten und gut funktionierenden Versorgungsstrukturen stehen zur Disposition. Die Gesundheitspolitik wir immer zentralistischer, die Entwicklung geht in Richtung sozialistisches Versorgungsmodell.

Findet ein Paradigmenwechsel im ambulanten Sektor statt? Ist die Einzelpraxis ein Auslaufmodell? Darüber diskutierte Blaschke mit Dr. Thomas Drabinski, Leiter des Kieler Instituts für Mikrodaten-Analyse (IfMDA), Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bunds, Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbands, und Birgit Wöllert, Obfrau der Fraktion Die Linke im Gesundheitsausschuss, am Freitag in Berlin.

Vor einem tiefgreifenden Umwälzungspro­zess sieht Thomas Drabinski das Gesundheitssystem. Die mit dem Versorgungsstärkungsgesetz angeschobenen Veränderungsprozesse ordnet er unter der Überschrift „Staatsmedizin“ ein. „Die ambulante Versorgung soll vor allem über Zentren und Krankenhäuser koordiniert werden. Die Freiberuflichkeit wird zugunsten einer zentralen Planung, Steuerung und Kontrolle immer weiter eingeschränkt“, kritisiert der Ökonom.

Für Dirk Heinrich ist die Einzelpraxis auch in Zukunft für die medizinische Versorgung unabkömmlich. Die Attraktivität der Niederlassung sieht er jedoch schwinden. Grund dafür sei unter anderem die Vergütung der Ärzte. Von der Politik zeigt sich der Ärztevertreter enttäuscht. „Anstatt Praxisnetze zu fördern, öffnet sie die Krankenhäuser für die ambulante Versorgung und verschärft damit den Wettbewerb.“

Die Bedeutung der Einzelpraxen für die ambulante Versorgung unterstreichen auch Birgit Wöllert und Franz Knieps. Beide weisen jedoch darauf hin, dass angehende Mediziner immer weniger Interesse an der Arbeit in eigener Praxis haben. Das liege an der Vergütung, aber auch an dem Wunsch, neben dem Beruf auch ein Familienleben zu führen, erklärt Knieps. Keiner möchte die Einzelpraxis zum Auslaufmodell erklären, Wöllert merkt jedoch an, dass diese nicht mehr das alleinige Versorgungsmodell der Zukunft sein könne.

„Wir werden die Freiberuflichkeit nicht kampflos aufgeben“, stellt Blaschke zum Ende der Diskussion fest. „Im Interesse unserer Mitglieder und unserer Patienten fordern wir die Politik auf, die Vergütungsstrukturen zu modernisieren und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Nur so bleibt die Einzelpraxis auch für den medizinischen Nachwuchs attraktiv und nur so kann eine flächendeckende Versorgung auch in Zukunft sichergestellt werden.“

 

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