Ein Artikel von Karsten Geist

FVDZ-Mitglied und Vorstandsmitglied der KZV

 

 KZV - Was hat es gebracht?

Seit dem Beginn des Jahres 2014 befinden wir uns in einer neuen Phase nach GKV-Finanzierungsgesetz, Versorgungsstrukturgesetz, Patientenrechtegesetz und Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz. Auf diese Gesetze folgten durchaus aufwändige und auch aufregende Vertragsverhandlungen im vergangenen und laufenden Jahr.

Wir, der Vorstand der KZV Berlin, konnten Verwerfungen der jüngsten Vergangenheit teilweise beseitigen und haben den Anschluss an das Niveau der alten Bundesländer nie aus den Augen verloren. Durch die Ergebnisse der Vertragsverhandlungen können wir mittlerweile sogar im K/CH-Bereich (Punktwertsteigerungen zwischen 7,9% und 12,47% über die letzten 2 Jahre) mithalten und im KFO-Bereich (Punktwertsteigerungen zwischen 6,39% und 7,27% über die letzten 2 Jahre) haben wir die meisten KZVen abgehängt.

Die Bilanz der Zahnärzteschaft auf Bundesebene kann sich ebenfalls sehen lassen. Wobei sowohl Schwarz/Gelb und der ehemalige Gesundheitsminister Bahr (FDP), als auch natürlich die Bundestagswahl 2013 mit der sich anschließenden großen Koalition einen nicht unerheblichen Einfluss auf diese Bilanz hatten.

Durch die Eliminierung der Praxisgebühr (Bahr!) zum Beispiel sind die Fallzahlen im Laufe des Jahres 2013 deutlich angestiegen. Sämtliche oben genannte Gesetze beinhalteten neben einigen Gefahren allerdings auch diverse Chancen für den Berufsstand.

Die Ost-West-Angleichung, der so genannte Reset (Ausgleich von Budgetüberschreitungen des Jahres 2012), Rückverlagerung des Morbiditätsrisikos zu den Krankenkassen und das Einfließen der Morbidität in Vertragsverhandlungen bei gleichzeitiger Lösung von der strikten Koppelung an die Grundlohnsummensteigerung sind nur einige Schlagwörter.

Die Bürgerversicherung ist, zumindest auf absehbare Zeit vom Tisch. Das heißt das duale System mit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einerseits und der Privaten Krankenversicherung (PKV) andererseits, bleibt erhalten.

Soweit so gut, jedoch konnten sich die Koalitionäre nicht auf eine durchaus zu befürwortende Weiterentwicklung beider Systeme einigen. Insofern befindet man sich hier leider im Stillstand!

Die Freiberuflichkeit, mit der nach Aussage Ulla Schmidts (ehemals Bundesministerin für Gesundheit) in Deutschland endlich Schluss sein müsste, wurde zum unverzichtbaren Element der flächendeckenden ambulanten Versorgung erklärt. Sie garantiert die Freiheit in Diagnose und Therapie genauso wie die freie Arztwahl.

Der Reset-Bedarf, der wegen des insgesamt mäßigen Jahresergebnisses 2012 nur halb so groß ausfiel wie erwartet, wurde deutschlandweit in den Verhandlungen realisiert. Das allerdings war in weiten Teilen kein Problem, weil gar nicht vorhanden. In anderen Bereichen, wie beispielsweise in Berlin, war es sehr viel schwerer zu erreichen.

Zu den neuen Aufgaben der zahnärztlichen Selbstverwaltung gehört, dass wir weitere Vorschläge für die Verbesserung der Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung machen, die über die aufsuchende Betreuung (PNG des letzten Jahres) hinausgehen. Beispielgebend kann man hier unser Berliner Zentrum für die zahnärztliche Versorgung schwer mehrfach behinderter Menschen erwähnen. Hier besteht  die Möglichkeit, mit einem Krankenhaus im Hintergrund, Risikopatienten in Vollnarkose behandeln zu lassen, die ambulant nur schwer oder gar nicht beherrschbar sind.

Auch die Möglichkeit seit dem 01.04.2014 Kooperationsverträge mit Einrichtungen der stationären Pflege einzugehen, mit dem Ziel die Betreuung dieser Patienten zu sichern und zu verbessern, sollte man erwähnen. Wenn auch die ersten Erfahrungen zeigen, dass es, wie immer bei Neueinführungen, Anfangsschwierigkeiten gibt.

Darüber hinaus sollte auch die Prävention von Parodontalerkrankungen, sowie die Prävention der frühkindlichen Karies unsere Aufmerksamkeit erhalten. Darum begann das Jahr 2014 für die Berliner Zahnärzte bereits mit einer neuen Vereinbarung, die der Vorstand der KZV Berlin mit der Barmer-EK getroffen hat. Hier geht es um die konsequente Weiterführung der Vorsorge bei Kleinkindern und Kindern, besonders mit erhöhtem Kariesrisiko. Ähnlich wie bereits im vergangenen Jahr mit der AOK, wurde hier eine extrabudgetäre Erweiterung des Leistungskataloges erreicht, die Kindern zwischen dem 6. und 30. Lebensmonat die Möglichkeit von zwei zusätzlichen Kontrolluntersuchungen und im Bedarfsfall auch zusätzlichen therapeutischen Fluoridierungen eröffnet.

Wer die Sicherung und Förderung von Qualität einer hochwertigen und transparenten Patientenversorgung zu seinen Aufgaben macht, darf dabei jedoch nicht vergessen, die entsprechenden Rahmenbedingungen für die Kollegen in den Praxen einzufordern. Das beinhaltet nicht nur den damit verbundenen Mehraufwand durch die Kostenträger ausgleichen zu lassen.

Wie der Bürokratieaufwand sollte auch der QS-Aufwand auf das dringend notwendige Maß zurückgefahren werden oder beschränkt bleiben, das in einem normalen Praxisalltag auch noch praktikabel ist. Behandlungsferne Leistungen dürfen nicht überborden. Darüber hinaus ist die KZBV bemüht, die barrierearme Ausgestaltung von Praxen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Es gibt sehr viel zu tun!

Wie man sieht, betreffen viele Aufgaben der Zukunft nicht nur die KZV und die KZBV, gemeinsam können sie aber gelöst werden. Am erfolgreichsten, das lässt sich belegen, sind immer die Berufsstände, die sich nicht entzweien lassen. Deshalb bin ich auch so froh darüber, dass die Körperschaften Zahnärztekammer und KZV in Berlin so konstruktiv und eng zusammenarbeiten. Das Ergebnis steht im Vordergrund, nicht das individuelle Profil.

Ihr Karsten Geist