26. Zahnärzte Sommerkongress auf Usedom

Gebührenordnungen auf dem Prüfstand

Deregulierung und Bürokratieabbau im Gesundheitswesen waren bei der berufspolitischen Diskussionsrunde zur „Herausforderung Europa“ beim 26. Zahnärzte Sommerkongress in Heringsdorf auf der Insel Usedom die bestimmenden Themen. In diesem Jahr standen kurz nach der Europawahl für den freien Verband einige europäische Themen im Vordergrund, die großen Einfluss auf die zahnärztliche Praxis haben werden – auch wenn es keine EU-Gesundheitspolitik im eigentlichen Sinn gibt.

So war neben der Einwanderung von Zahnärzten aus nicht EU-Staaten auch das Thema Deregulierung in der Runde, die von FVDZ-Bundesvorstandsmitglied PD Dr. Thomas Wolf moderiert wurde, von besonderer Bedeutung. Hierbei stellte sich die Frage, ob die Abkehr von einer Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) als Chance begriffen werden könne. Der FVDZ-Bundesvorsitzende Harald Schrader plädierte für die Möglichkeit, wie in anderen freien Berufen üblich, auch Zeithonorare für zahnärztliche Leistungen mit Patienten zu vereinbaren. Beim Schweriner CDU-Bundestagsabgeordneten Dietrich Monstadt, der selbst Rechtsanwalt ist, stieß diese Anregung auf Interesse: „Ich werde dieses Ansinnen gern politisch aufgreifen und mich dafür einsetzen“, versprach er. Dass die derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof anhängige Klage zur Rechtmäßigkeit der Gebührenordnung von Architekten und Ingenieuren auf den Gesundheitsbereich durchschlagen wird, hielt der CDU-Politiker allerdings für zweifelhaft.  


Ein weiteres Thema in der FVDZ-Diskussionsrunde war die zunehmende Akademisierung der sogenannten Heilhilfsberufe, beispielsweise der Dentalhygieniker, die in den Niederlanden bald zahnärztliche Tätigkeiten verrichten dürfen. Der FDP-Generalsekretär aus Mecklenburg-Vorpommern, David Wulff, sieht darin für die Zukunft ein größeres Konfliktfeld. Eine gute Ausbildung und Qualifikation auch für die nichtakademischen Berufe sei dringend geboten, allerdings sei die Frage, ob dann eine nicht weisungsgebundene Tätigkeit erstrebenswert sei. „Darunter könnte auch das Patientenwohl leiden“, sagte Wulff. Insgesamt aber sieht er – wie auch der Freie Verband – in der Qualifikation das Zukunftsthema.


Auch in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum kristallisierte sich das Thema „Praxispersonal“ als virulent heraus. „Wir konkurrieren alle um dieselben Leute“, sagte Digital-Unternehmer Wulff. „Entweder wir finden Lösungen, oder wir müssen große Kompromisse eingehen.“
 

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