Prämienmodell Zahnmedizin des Freien Verbandes
HV-Beschluss - Hauptversammlung 2010
Die Hauptversammlung des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte fordert den Gesetzgeber auf, den GKV-Leistungsbereich Zahnmedizin kurzfristig von der Umlage- in die Prämienfinanzierung zu überführen. Begründung: Die von der Regierung beabsichtigte langfristige und schrittweise Umwandlung des sog. Zusatzbeitrages in eine kleine Gesundheitsprämie wird der einer demographischen Entwicklung geschuldeten Notwendigkeit einer schnellen Neustrukturierung der GKV nicht gerecht. Die Diskussion der letzten Wochen zeigt, dass der Prozess zu undifferenziert, zu kompliziert, zu langfristig und damit politisch zu instabil angelegt ist, als dass er die heute erforderliche Einsicht und Akzeptanz aller Betroffenen erzeugen könnte. Die Prämienfinanzierung lediglich als andere Form der GKV-Beitragserhebung zu installieren, ist der falsche Weg. Mit einer alleinigen Umstellung der Finanzierungssystematik in einem Mikrosektor wird die Chance einer grundsätzlichen Umstrukturierung nicht genutzt. Der Freie Verband setzt sich dafür ein, dass die Umstellung auf eine Prämienfinanzierung grundsätzlich nach definierten Leistungssektoren erfolgt. Eine Umstellung z.B. nach reinen Prozentanteilen vom Gesamtausgabevolumen ohne nachvollziehbaren Bezug zum Leistungsgeschehen ist aus systematischen Gründen falsch. Die Umstellung auf Prämienfinanzierung nach definierten Leistungssektoren hat den Vorteil, - dass die Leistungen für diesen Bereich inhaltlich genau beschrieben und gegenüber anderen Bereichen abgegrenzt werden können; - dass im Zuge dieses Definitionsprozesses der bisherige Leistungskatalog der Krankenversicherung um versicherungsfremde Leistungen bereinigt werden kann. Es ist erforderlich, dass mit der Umstellung eines Leistungsbereichs wie der Zahnmedizin auf Prämienfinanzierung auch das Sachleistungssystem beendet und an dessen Stelle das Kostenerstattungssystem mit Direktabrechnung gesetzt wird. Die Beibehaltung der Sachleistungssystematik in einem Prämiensystem ist systemwidrig. Die Studie „Gesundheitsprämie im Modell Zahnmedizin“ des Kieler Institut für Mikrodatenanalyse (Leiter: Dr. Thomas Drabinski) belegt die Machbarkeit des Prämienmodells Zahnmedizin.
Pressemitteilung des Freien Verbandes vom 29.06.2010
IfMDA-Studie: Gesundheitsprämie im Modell Zahnmedizin
„Nachhaltigkeit für alle Generationen“
Berlin (29. Juni 2010). In einer aktuellen wissenschaftlichen Studie hat der Gesundheitsökonom Dr. Thomas Drabinski, Leiter des Instituts für Mikrodaten-Analyse (IfMDA), die Umsetzbarkeit einer „Gesundheitsprämie im Modell Zahnmedizin“ umfangreich untermauert. Das Kieler Institut hat im Auftrag des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) geprüft, ob und unter welchen Bedingungen die Einführung einer kleinen Gesundheitsprämie Zahnmedizin finanzierbar ist. „Es gibt keinen besseren Einstieg in eine einkommensunabhängige GKV-Finanzierung“, sagt der FVDZ-Bundesvorsitzende Dr. Karl-Heinz Sundmacher.
Die Drabinski-Studie zeigt, dass in einem ersten Schritt der zahnmedizinische Leistungsbereich der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Höhe von 12,5 Milliarden Euro vom prozentualen Beitrag abgekoppelt und durch eine tragbare Prämie finanziert werden kann. Jeder Erwachsene über 18 Jahre zahlt nach Berechnungen des IfMDA pro Monat eine Prämie in Höhe von 18,90 Euro. Um eine finanzielle Benachteiligung einkommensschwacher Personen zu verhindern, sieht das Konzept einen systeminternen sozialen Ausgleich vor. Der gewählte Studien-Ansatz hat den Vorteil, dass sich die Finanzierung der GKV vom konjunkturabhängigen Arbeitseinkommen und der Subventionierung durch Steuergelder löst. „Hier wird ein zukunftsfähiges Finanzierungsmodell mit einem bewährten Versorgungskonzept gekoppelt. Insgesamt bedeutet das mehr Nachhaltigkeit für alle Generationen, ohne Leistungsausschluss“, fasst Drabinski zusammen.
„Der Einstieg in eine Prämienfinanzierung über den Sektor Zahnmedizin hat wesentliche Vorteile gegenüber dem theoretischen Regierungsmodell einer Gesundheitskombi“, bekräftigt der FVDZ-Bundesvorsitzende die Ergebnisse der Studie. Der zahnmedizinische Leistungsbereich sei inhaltlich gut abgegrenzt und finanziell überschaubar. Sundmacher weiter: „Da die Patienten seit Jahrzehnten an Zuzahlungen zu zahnmedizinischen Leistungen gewöhnt sind, dürfte ein Beginn der Finanzierungsreform mit der Zahnmedizin für die Versicherten keine große Überraschung darstellen und auch keine unlösbaren Umstellungsprobleme mit sich bringen.“
Die Einführung der kleinen Gesundheitsprämie Zahnmedizin hätte laut Drabinski nebenbei für die Gesundheitspolitiker den Charme, dass durch diesen Schritt der für 2011 prognostizierte Fehlbetrag in der GKV von etwa 11 Milliarden Euro kompensiert und die Steuersubventionierung der GKV zurückgedreht werden könnte. Drabinski: „Die bisher vorgelegten Prämienvorschläge sind nicht nachhaltig, da sie auf immer weiter ansteigende Steuersubventionen angewiesen sind – und jeder Subventions-Euro wird mit 16 Cent Neuverschuldung erkauft.“
Die Studie ist über das Institut für Mikrodaten-Analyse erhältlich: Institut für Mikrodaten-Analyse (IfMDA), Am Kiel-Kanal 2, 24106 Kiel, Telefon (0431) 385 7820, Telefax (0431) 385 9135, Internet www.ifmda.de, Email: institut@ifmda.de
.